7000 Bienenhotels jetzt!!

Ein Gastbeitrag von Ralf Külker (NABU Kreiverband Gütersloh), siehe dazu auch die Facebook-Kampagne https://www.facebook.com/siebentausendbienenhotels/

Hallo liebe Naturfreunde,

wir leben heute in der Zeit des großen Insektensterbens. Mancherorts ist die Menge der Insekten um bis zu 80% zurückgegangen! Diese Entwicklung ist dramatisch, wenn man bedenkt, dass Insekten am Anfang der Nahrungskette stehen. Die Gründe für den Rückgang sind u.a. Intensive Landwirtschaft, Pestizide, Flächenversiegelungen und das Fehlen von Wildwiesen oder Brachflächen. Da die Politik die Warnungen der Umweltschutzverbände immer wieder in den Wind schlagen, sind jetzt die Bürgerinnen und Bürger gefragt, selbst etwas zu unternehmen. Jeder, der einen Garten hat, kann prinzipiell Wildbienen züchten und eine Wildecke im Garten anlegen, damit sich die Bienen dort mit Pollen versorgen können. Ein Totholzhaufen (am Besten mit von Käfern durchlöcherten Stämmen und Ästen) empfiehlt sich ebenso. Nähere Informationen zum Bau von Bienenhotels und den geeigneten Blumenmischungen kann man auf den Internetseiten des NABU erfahren!

Bienenhotel - Foto von Ralf Külker
Bienenhotel – Foto von Ralf Külker

Es gibt in ganz Deutschland genug Flächen, die für insektenfreundliche Blumenwiesen zur Verfügung stehen. Muss es immer überall der englische Golfrasen sein, der obendrein noch viel Arbeit schafft? Wie schön sind doch bunte, duftende Blumenwiesen und wie vielen Tieren bieten sie einen Lebensraum? Helft alle mit, die Umkehr des Tiersterbens in der Natur mit einzuleiten! Auf dass wir uns wieder an mehr Bienen, mehr Singvögeln, mehr Greifvögeln, mehr Fledermäusen, und und und erfreuen können! Berichtet hier als Post oder Mail davon, wie viel neue Bienenhotels ihr aufgestellt habt und die werden dann auf der Facebook-Seite: „7000 Bienenhotels“ zusammengezählt. Das Ziel: Nicht weniger als 7000 Wildbienen-Hotels! Also, an die Arbeit Freunde!

Mauerbiene - Foto von Ralf Külker
Mauerbiene – Foto von Ralf Külker

Melle erhält Auszeichnungen für Insektenschutzaktivitäten

Im Rahmen des bundesweiten Wettbewerbs „Deutschland summt – Wir tun was für Bienen“ sind verschiedene
Gruppierungen aus Melle für ihren Einsatz für Insekten ausgezeichnet worden [https://wir-tun-was-fuer-bienen.de/home.html].
Innerhalb des Wettbewerbes, bei welchem sich bundesweit über 124 Gruppen und 1500 Personen beteiligt haben, wurden vier Preise an Meller Gruppierungen vergeben.

gUG Umweltschutz und Lebenshilfe

Die gemeinnützige UG „Umweltschutz und Lebenshilfe“ aus Melle hatte von Anfang März bis Ende Juni gemeinsam mit
Schulen, Firmen, Privatpersonen und Vereinen insgesamt annähernd 80.000 m² Blühwiese angelegt
und in unterschiedlichen Sparten Bewerbungsunterlagen eingereicht.

Sonderpreis
Sonderpreis

IGS Melle

Ausgezeichnet wurden nun die IGS Melle (3. Platz, Kategorie „Schul-, Kita- und Jugendclub-Gärten“,
https://wettbewerb.wir-tun-was-fuer-bienen.de/board/bienenweide-und-insektenhuegel-mit-der-igs-melle/755/),
deren Schul-AG in fleißiger Arbeit ein wertvolles Insekten-Biotop geschaffen hat.
AG-Leiterin Vera Remmers dazu: „Das Anlegen einer eigenen Blühfläche war für die Schüler etwas ganz Besonderes.
Sie waren überrascht, dass man gemeinsam in nur zwei Schulstunden eine Rasenfläche so aufbereiten kann, dass sie sich in eine Blühfläche verwandelt. Dies konnte auch nur gelingen, da alle Schüler tatkräftig mit angepackt haben.
Die farbenfrohen Blüten und der rege Betrieb auf der Fläche waren Wochen später Bestätigung und Lohn für die getane Arbeit.
Wir freuen uns sehr über die Auszeichnung und darüber, unsere erfolgreiche Kooperation mit der gUG Umweltschutz und Lebenshilfe durch das Anlegen einer zweiten Blühfläche im kommenden Frühling weiterzuverfolgen.“

Grundschule Oldendorf

Die Grundschule Oldendorf, welche auf dem neuen Gelände des Gnadenhofes Brödel mit der „Umweltschutz und Lebenshilfe“ mehrere Hundert m² „Futter- und Schutzzone“
angelegt hat, erhielt den 3. Platz in der Sparte „Firmen-, Institutions- und Vereinsgärten“
https://wettbewerb.wir-tun-was-fuer-bienen.de/board/eine-bluehwiese-auf-unserer-neuen-gnadenhofflaeche-gemeinsam-mit-der-grundschule-melleoldendorf/837/).
Julia Gommer, Vorstandsmitglied im Förderverein der Grundschule Oldendorf: „Wir, der Förderverein der Grundschule, freuen uns sehr über die Auszeichnung
und sind gespannt auf eine weitere Zusammenarbeit im nächsten Schuljahr.“

Saatgut
Saatgut

Meller Blühwiesenparty

Die „1. Meller Blühwiesenparty“ erhielt „Bronze“ im Bereich „Privatflächen“ [https://wettbewerb.wir-tun-was-fuer-bienen.de/board/1-meller-bluehwiesenparty/740/].

Sonderpreis

Die gUG „Umweltschutz und Lebenshilfe“ hat zudem für „herausragende Organisation und einen hohen Multiplikatoreffekt“
einen Sonderpreis gewonnen.
Geschäftsführer Kai Behncke: „Es ist toll, wie viele Menschen aus Melle mitgemacht haben.
Die Aktivitäten spiegeln ein hohes Naturschutzbewusstsein wider, Melle geht hier mit gutem Beispiel voran.
Dennoch haben wir noch nicht viel erreicht. 8 Hektar sind im Gesamtgefüge ein „Tropfen auf den heißen Stein“.
Das Insektensterben wird uns noch viele Jahre intensiv fordern. Hier heisst es weiterhin: „Ärmel hochkrempeln und anpacken“.
Wünschenswert ist es, dass noch viel mehr Menschen aktiv werden. Ein tolles Beispiel ist die hiesige Jägerschaft Melle,
welche in den letzten Jahren beträchliche Versorgungszonen für Insekten geschaffen hat.“

Karsten Wachsmuth, Leiter der Infrastruktursparte der „Umweltschutz und Lebenshilfe“ fügt hinzu:
„Die Preise sind eine Belohnung für das Engagement vieler Beteiligten. Mehrere Monate waren wir fast jedes Wochenende mit der Gestaltung von Blühwiesen beschäftigt.
Es ist toll, wie viele Anfragen wir schon für 2018
erhalten haben. 50.000 weitere m² werden nächstes Jahr folgen. Erneut werden wir mit verschiedenen Schulen und Firmen aktiv werden.
Weitere Anfragen können wir jedoch aus zeitlichen und finanziellen Gründen leider nicht annehmen. Bürgerinnen und Bürger können aber auch ganz leicht selber aktiv werden.“

Einige interessante Details zum Insektensterben

Der Absatz an Pflanzenschutzmitteln lag in Deutschland zwischen 1995 und 2005 relativ konstant bei 35.000 Tonnen jährlich. Bis 2015 jedoch ist er auf 49.000 Tonnen angestiegen (Quelle: http://www.umweltbundesamt.de/daten/land-forstwirtschaft/landwirtschaft/pflanzenschutzmittelverwendung-in-der#textpart-2)


Pestizide sind aber nur ein „Baustein“ der stattfindenden Intensivierung. Wiesen werden heute oft fünf- bis sechsmal im Jahr gemäht und damit doppelt so häufig wie noch vor 30 bis 40 Jahren.

Zu viel Stickstoff

Auch Stickstoff aus der Luft ist ein Problem. Magerrassen gelten als besonders artenreich. Aus diesem Grunde ist eine Extensivierung von Flächen wichtig. Wird zu viel Stickstoff aufgenommen, dann verschwinden viele Arten und eine eintönige Armutswiesenlandschaft entsteht [siehe:
http://www.umweltbundesamt.de/themen/luft/wirkungen-von-luftschadstoffen/wirkungen-auf-oekosysteme/reaktiver-stickstoff-in-der-umwelt#textpart-4,
http://www.sueddeutsche.de/wissen/umweltbundesamt-stickstoff-bedroht-pflanzen-und-tiere-1.2286099-2,
http://www.umweltbundesamt.de/daten/land-forstwirtschaft/landwirtschaft/naehrstoffeintraege-aus-der-landwirtschaft#textpart-]

Nicht zu vergessen ist auch: Die Intensivierung in der Landwirtschaft ist auch einem gestiegenen Konsumverhalten (von uns allen [?]) geschuldet.

Pestizide sind nicht nur ein Problem in der Landwirtschaft. In vielen Gärten und Vorgärten ist kaum Leben zu sehen. Hunderte von Tonnen landen in Deutschland direkt aus dem Baumarkt auf der heimischen Vegetation. Zierrasen, Kies, Pflanzen ohne Pollen- und Nektar-Nutzen, was soll dort „kreuchen und fleuchen“?

Interessant auch: Straßenlaternen begünstigen einen massenhaften Insektentod. Diese umkreisen die Lichtquelle bis sie vor Erschöpfung sterben. Einer Hochrechnung zufolge verlieren dadurch in einer Sommernacht über 1 Milliarde Insekten ihr Leben [http://www.deutschlandfunk.de/massengrab-fuer-insekten.697.de.html?dram:article_id=74738]

Siehe auch: http://www.spektrum.de/kolumne/insektensterben-und-keiner-will-es-gewesen-sein/1484979

Blühwiesenkataster als wichtiges Forschungsinstrument

Eine (gewagte?) These zur Diskussion gestellt: Die Menschheit steuert aktuell „sehenden Auges“ auf das größte Artensterben in der modernen Geschichte zu. Dieses hat nicht nur massive volkswirtschaftliche Einbußen zur Folge sondern wird eine Kettenreaktion des Artensterbens verursachen, mit schwerwiegenden Konsequenzen für alle Lebewesen.
Anders formuliert: Bei der aktuellen Entwicklung des Insektenbestandes und einer (aktuell nicht zu erkennenden Änderung globaler Landwirtschaftspolitik) wird es in einigen Jahren zwingend nötig sein, auf kommunaler Ebene Blühstreifen und Blühwiesen verpflichtend anzulegen. Nur so lässt sich „kurz vor 12“ noch das Aussterben einer Vielzahl von Arten verhindern.
Ein aktueller Pressebericht lässt einen Rückschluss auf Teile dieser These zu.

Öllein
Öllein

Die Anlage dieser Blühwiesen jedoch setzt eine gezielte Planung bzw. entsprechende Erfahrungsmomente voraus. Immanent wichtig wird entsprechendes Datenmaterial sein. Wesentlich wird es hier (auch) um einen räumlichen Bezug und die Beantwortung räumlicher und biologischer Fragestellungen gehen: In welchem Radius eignen sich Blühinseln und Blühwiesen (erstellt aus welchem Saatgut und auf welchem Boden?) dazu, das Insektensterben durch die Bereitstellung von Nahrung und Nisthilfen zu stoppen? Welche Bedeutung hat dabei eine Clusterisierung (unterschiedlicher) Blühareale? Kann eine „einzeln“ angelegte Blühwiese als signifikante Naturschutzmaßnahmen herhalten? Wenn ja, in welchem Radius? Wie unterscheiden sich Einfluss und Qualität von Blühwiesen? Etc. Etc.
Dieses Kataster nun soll als Entwicklungsbaustein dazu dienen, entsprechende Fragestellungen zu beantworten. Damit dieses gelingt, ist ein valides und vielschichtiges Datenmaterial notwendig. Trage also gerne Deine Blühwiese in die Karte ein.

Über die interaktive Karte wird verdeutlicht, wo die für Insekten eminent wichtigen Blühwiesen angelegt wurden bzw. wo noch „Nachholbedarf“ besteht.

Darüber hinaus präsentiert das Kataster den positiven räumlichen Einfluss, welchen schon Blühareale geringen Umfangs bewirken. Weitere Resultate werden durch kontinuierliche Erweiterung der Hintergrundalgorithmen ausgegeben.

Die wichtige Bedeutung von regionalem Saatgut

Regionales Saatgut ist wichtig, weil es den regionalen Genpool enthält und somit auch besser wächst, als „ortsfremde“ Pflanzen.
Grundsätzlich ist Deutschland in 22 Saatgut-Regionen aufgeteilt, siehe http://www.natur-im-vww.de/wp-content/uploads/2014/07/Regionen_GK-757×1024.jpg

Zwei sehr interessante Studien haben kürzlich untersucht, ob „regionales Saatgut“ tatsächlich „besser“ ist, als wenn man z.B. „beliebige“ Samen „aus dem Baumarkt“ kauft (vgl. dazu die Studien von Durka et al. 2016 sowie Bucharova et al. (2016)).
Zu beachten ist sogar: „Schafgarbe“ ist nicht gleich „Schafgarbe“ oder: Die „wilde Möhre“ in Norddeutschland besitzt einen etwas anderen Genpool als z.B. in Bayern.
Das Problem dabei ist, dass sich Saatgut im Ausland oftmals leichter produzieren lässt als in Deutschland, nur dann ist dieses
Saatgut eben nicht optimal an die hiesigen Bedingungen angepasst.
Glücklicherweise: Ab 2020 darf Deutschland für die Rekultivierung von Wiesen in der freien Landschaft nur noch regionales Saatgut einsetzen.

Borretsch
Borretsch

Untersuche in Feldversuchen

In aufwändigen Untersuchungen wurden die 7 häufigsten Wiesenpflanzen aus 8 der 22 Herkunftsgebiete (siehe oben) untersucht. Je nach Art wurden teilweise deutliche Gen-Unterschiede festgestellt. Interessant ist nun, ob diese eine Auswirkung auf die regionale Versorgung mit Pollen und Nektar haben. Ja, haben sie! Pflanzen regionaler Herkunft wachsen oftmals schneller. Regionale Gewächse liefern, laut der oben genannten Studien, im Schnitt 7 % mehr Biomasse und 10 % mehr Blütenstände als ortsfremde Pflanzen gleicher Art.
Festgestellt wurde auch, dass Pflanzen gleicher Art aus unterschiedlichen Regionen zu unterschiedlichen Zeiten blühen. Dieses kann im Zweifelsfalle negative Folgen haben.
Viele Bestäuber oder Blütenbewohner haben sich auf definierte Zeiträume eingelassen. Wenn diese „durcheinander gebracht“ werden kann das zu Problemen führen.

Quellen

Durka W., Michalski S.G., Berendzen K.W., Bossdorf O., Bucharova A., Hermann J.M., Hölzel N., Kollmann J. (2016): Genetic differentiation within multiple common grassland plants supports seed transfer zones for ecological restoration. Journal of Applied Ecology, DOI: 10.1111/1365-2664.12636

Bucharova A., Michalski S.G., Hermann J.M., Heveling K., Durka W., Hölzel N., Kollmann J., Bossdorf O. (2016): Genetic differentiation and regional adaptation among seed origins used for grassland restoration: lessons from a multispecies transplant experiment. Journal of Applied Ecology, DOI: 10.1111/1365-2664.12645