Stellungnahmen zum Insektensterben in Peter Bertholds Bestseller „Unsere Vögel. Warum wir sie brauchen und wie wir sie schützen können“ (2017, Ullstein-Verlag)

Vogel- und Insektenschwund gehen „Hand in Hand“

In dem hochinteressanten neuen Werk von Peter Berthold wird der auffällige Vogelschwund und die Sorge vor einem „stummen Frühling“ logischerweise auch mit dem Mangel an Insekten in Verbindung gebracht.

„Und die einstige Farbenfülle unserer Wiesen durch zig Blumen wie Margeriten, Glockenblumen, Storchschnäbeln, Bocksbart oder Nelken ist längst dem eintönigen Grün weniger Nutzungsarten gewichen. Aus den Äckern wurden Wildblumen mit Herbiziden herausgespritzt (…)“ (S.79)

Vielfach bekannt sind die Ausführungen des „Entomologischen Vereins Krefeld“, welcher nachgewiesen hat, dass die Biomasse der Insekten auf unterschiedlichen Flächen zwischen 1989 und 2014 um bis zu 80% abgenommen hat. Berthold erwähnt, dass ähnliches im Werk „Die Zukunft der Arten“ (2009, Josef H. Reichholf) geschildert wird. Mittlerweile sei es so, dass für viele insektenfressende Vogelarten die verfügbaren Insekten nicht mehr ausreichen, um ihre Jungvögel erfolgreich aufzuziehen.
In dem faktenreichen Werk wird zudem erwähnt, dass in Deutschland nach dem zweiten Weltkrieg über 20 % an Wiesen und Weiden verloren gegangen sind (insbesondere durch Umwidmung in Ackerland (z.B. für Mais)). Wiesen seien heute zudem stark verarmt. Während sich früher mäßig feuchte Wiesen aus durchschnittlich rund 25 Pflanzenarten zusammensetzten, so sind es heute nur noch etwa 10-15 Arten.
Viele Wildpflanzen können heute auf tiefgründig bearbeiteten Böden, welche oftmals mit Kunstdünger behandelt werden, nicht mehr existieren (selbst dann nicht wenn man sie lassen würde!!).
Durch häufige Mahd wird zudem eine Samenbildung der Pflanzen verhindert, was sich ebenfalls stark auf Arten- und Individuenzahl von Vögeln auswirkt.
Mehrfach tritt in Bertholds Werk der Terminus „Homo suicidals“ bzw. „Homo horribilis“ auf. Kein Wunder, wenn man sich die geschilderten Fakten zu Gemüte führt.

Wundervolle Biodiversität
Wundervolle Biodiversität

Wichtige Artenvielfalt

Hoch interessant sind verschiedene Studien, welche Berthold zitiert. So sei in Feldforschungen im „Ökosystem Wiese“ festgestellt worden, dass mit steigender Diversität (ohne Dünger) zugleich die Biomasse pro Flächeneinheit zunehme (S. 149). Je mehr Arten desto höher der Ertrag, da artenreiche Wiesen die genetische Vielfalt und Produktivität der mikrobiellen Bodenorganismen steigern.

„Je vielfältiger zudem der Mix aus hohen und niedrigen, breiten und schmalen Stängeln, Blättern und Blüten ist, desto besser werden alle Ressourcen genutzt (…). Ein hochwillkommener Nebeneffekt ist, dass in artenreichen Wiesen die reichhaltigeren Mikroben vermehrt anfallende Schadstoffe abbauen. Das ist essentiell für sauberes Grundwasser.“

Zudem wird hervorgehoben, dass je artenreicher eine Wiese ist, negative Einflüsse (z.B. „Schädlinge“, Trockenheit) umso geringere Auswirkungen haben.
Und: Bis heute werden ca. 20 Prozent aller Farn- und Blütenpflanzen zu Heilzwecken genutzt. Mit jeder Tier- und Pflanzenart die wir ausrotten, beeinträchtigen wir zugleich unsere eigene Existenz. Aber das können wir steuern!

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