Heute Streuobstwiese gemäht, Gedanken zur Mahd (ein Artikel eher für die ganz harten Blühwiesenfreaks)

Das war ein Tag heute. Danke zunächst einmal an Karsten Wachsmuth (den Maschinengott),
der einen unserer Balkenmäher heute wieder flott gekriegt hat.
Mit dem Ding dann zu einer Streuobstwiese (George Trenkler) gefahren, um dort zu mähen.
Tja, und einmal nicht aufgepasst und schon rutschten und rutschten und rutschten Anhänger und Maschinen in den Straßengraben.
Da ging nichts mehr. Vielen lieben Dank an die Familie von YoNaMo’s kleiner Arche aus Oberholsten und eine weitere Person, welche zufällig gerade vorbeikamen
und “den Karren aus dem Dreck gezogen haben” 🙂 לקריז דרפנם
🙂
Für die Mahd ist jetzt nicht gerade der optimale Zeitpunkt – musste jedoch trotzdem sein.
Gute Zeitpunkte sind Ende Oktober (da waren leider alle Mahdtermine “voll”) und Anfang April (da ist leider alles “voll”, weil dann die
nächsten Blühwiesen und Biotope angelegt werden).
Eine Mahd jetzt ist eigentlich eher “unglücklich”, denn jetzt haften viele “Insekten der nächsten Generation” an Stängeln und Halmen.
Bei Jan Haft (dem Ersteller des Filmes “Die Wiese – Ein Paradies nebenan”) auf Facebook den Trick mit den Mahdhalmbündeln gesehen.
Bündel von Stängeln werden zusammengeschnürt und können dann stehen bleiben. So können sich dort etliche Insekten entwickeln
und die Mahd-Bündel lassen sich im April ohne aufwändige Mahd entfernen. Zwar nur eine Not-Lösung, aber besser als Nichts.

Warum jetzt gemäht wurde?
Nun, zum Einen, wenn das Mahdgut abgeharkt und entfernt wird, dann magert die Wiese aus. Das ist elementar für ganz viele Wildblumenarten.
Zudem: Bei einer Nicht-Mahd werden Keimlinge im Frühjahr verschattet und in ihrer Entwicklung gehemmt/gehindert.

Dennoch ist das Thema der Stängelstreifen ein Punkt, der auch uns hier umtreibt. Nicht zuletzt seit einer Facebook-Diskussion mit Martin Robert Gach
und Heidi Nocus. Häufig lassen wir auf den Blühflächen 10% der Stängel stehen, für mehrere
Jahre. Denn für viele Insekten sind die Stängel erst im zweiten Jahr porös genug, um ihre Eier dort abzulegen.
Und: Von den hier vorkommenden Wildbienen sind übrigens etwa 7% Stängelbrüter.

Und gleichwohl gilt: Etliche Insekten(nachkommen) überwintern an Halmen und Stängeln. Nimmt man diesen bei einer Mahd der Blühwiesen nicht die Lebensgrundlage?
Und gleichzeitig gilt auch: Wird eine Blühwiese nicht im Herbst gemäht (ok, gilt nicht pauschal für alle Blühmischungen),
dann nimmt der Anteil blühender Pflanzen im nächsten Jahr signifikant ab. Der Grund ist,
dass das Saatgut dann auf Blätter und Halme fällt, vermodert oder z.B. von Mäusen gefressen wird.
Heisst: Es blüht dann im nächsten Jahr weniger, dafür jedoch bleiben “Infrastrukturen” für Insektennachkommen stehen.

Wie nun also vorgehen?

Es gibt einige, auch wissenschaftlich recht gut belegte, Fakten:
* Eine Blühwiese, die nicht ein- bis zweimal im Jahr gemäht wird, nimmt im nächsten Jahr an Artenreichtum ab
* Eine Blühwiese darf im Sommer niemals zu 100% gemäht werden, da es ansonsten zu einem Massenaussterben kommt
* Eine Beweidung, kurz vor der Vegetationsperiode, fördert das Blütenreichtum
Und gleichfalls gilt: Eine Mahd nimmt auch Lebensräume

Auf zwei Testflächen werden wir nächstes Jahr einmal das “Zebra-Prinzip” versuchen.
Keine Ahnung, ob es das schon gibt, klingt aber irgendwie cool und ist einen Versuch wert.
Das geht so:

Auf einem Areal von 1000 m² (z.B.) wird auf 50% die Mischung “Blühende Landschaft Nord” ausgesät. Diese Mischung ist eine regionale Brachenmischung, heisst: Es muss nicht ZWINGEND
eine Mahd dort stattfinden (so die Firma Rieger Hofmann). Dennoch: So unsere Erfahrung: Eine mindestens einmalige Mahd ist hier von Vorteil.
Auf der zweiten Hälfte wird z.B. der “Schmetterlings- und Wildbienensaum” oder eine andere klassische Blühwiesemischung ausgesät.

Generell: 10% der Stängel werden nie gemäht (Blühende Landschaft Nord/Süd/West/Ost).
Im Sommer folgt eine 50%-Mahd (mit unbedingt notwendiger Abtragung des Mahdgutes) auf der Fläche mit dem klassischen Saatgut (Schmetterlings- und Wildbienensaum).
So bleiben noch 40% Blühwiese bis zum Oktober stehen (Blühende Landschaft Nord/Süd/West/Ost).

Im Herbst nun folgt eine Komplettmahd der Fläche, welche bereits im Sommer gemäht wurde.
Auf den nicht im Sommer gemähten 40% folgt das Zebra-Muster:
Heisst: 3 Meter breite Streifen werden gemäht, 3 Meter bleiben stehen, 3 Meter werden gemäht, drei Meter bleiben stehen….usw.

Im nächsten Jahr wird genauso vorgegangen, sodass auf der 40%-Zebra-Fläche 3 Meter breite Streifen 2 Jahre lang nicht gemäht werden (Gott, ist das kompliziert).
Auf diesen Streifen wird sich die Artenvielfalt der Wildblumen reduzieren.

Im 3. Jahr dann wird auf der Zebrafläche gegensätzlich gemäht. Heisst: Die Stängelstreifen kommen weg,
dafür wird auf den bisherigen Mahdstreifen nicht mehr gemäht. Damit auf den bisherigen Stängelstreifen wieder eine stärkere
Artenvielfalt entsteht, wird “geimpft”.
Heisst: Mahdgut der frisch gemähten Flächen/Streifen wird dort Ende Oktober für 2 bis 3 Wochen abgelagert, kann aussamen und für eine Neuanlage sorgen.
Klingt komplex, vielleicht gibt es dann schon? Weiss das jemand? Wird hier auf jeden Fall in den kommenden Jahren auf Testflächen mal versucht.

Blumiger Landkreis Osnabrück
Artenvielfalt steigern, Insektensterben stoppen
http://blumiger-lkos.de

https://www.betterplace.org/de/projects/61252-blumiger-landkreis-osnabrueck

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