Heute Fortsetzung der Blühwiesenmahd – Und einige Zahlen
zum Insektensterben

Weiter ging es heute. Zunächst in Melle/Oldendorf beim Gasthaus Wiesehahn.
Herrlicher Sport. Für das Zusammenharken einer Blühwiese inkl. Abtragung benötigt man für 500 m² etwa
2 Stunden. Frische Luft, Bewegung…es könnte Schlimmer sein. Klitschnass geschwitzt aber irgendwie zufrieden – das ist meist das Fazit nach einer Extensivierung (Austragung von Nährstoffen durch Abharken des Mahdgutes).

Eine Menge von dem Mahdgut heute schon auf die Wiese zu den Tieren gebracht, die kümmern sich um einen Teil davon.

Der Rest des Mahdgutes bleibt dann auf der Tierwiese liegen. Interessant ist jedes Jahr im Frühjar:
Wenn man das über den Winter liegengebliebene Schnittgut entfernt, dann ist dort so viel Saatgut durchgefallen,
dass es in den Monaten danach in allen Farben leuchtet.

Und die zweite Halbzeit in Melle/Wetter stand an. Gemeinsam mit Herrn Schiermeier geharkt, geharkt und geharkt und ein
First-Class-Hotel als Überwinterungshilfe für viele viele Arten geschaffen. Der nette Herr ist wirklich beeinduckend. An die 80 Jahre, fit wie
ein Turnschuh, jede Menge Ideen und Einfälle und mit vollem Herzen für die Natur aktiv.
Auch auf dieser Fläche entsteht im nächsten Jahr ein Paradies für die Artenvielfalt.

Mal einige Fakten zum Insektensterben:
Zwischen 1990 und 2017 sank die Biomasse der Insekten in ausgewählten Schutzgebieten um 75 % (wohlgemerkt: In Schutzgebieten (!!), in denen
es ja eigentlich noch ganz passable Lebensbedingungen geben müsste).
Quelle: https://doi.org/10.1371/journal.pone.0185809

Die sog. “Münchener Studie” veröffentlichte 2019 Ergebnisse.
Zwischen 2008 und 2017 wurden regelmäßige Untersuchungen in drei Regionen des Landes angestellt.
Quelle: https://www.nature.com/articles/s41586-019-1684-3
“Sowohl auf Wiesen als auch in Wäldern ging die Artenzahl im Studienzeitraum um etwa ein Drittel zurück.
Auch deren Gesamtmasse nahm ab, besonders ausgeprägt in den Graslandschaften – dort um 67 Prozent. In den Wäldern schrumpfte sie um etwa 40 Prozent.
Vermutlich hänge der Rückgang mit der Landwirtschaft zusammen, schreiben die Forscher. “Dass solch ein Rückgang über nur ein Jahrzehnt festgestellt werden kann, haben wir nicht erwartet”, sagte Weisser. “Das ist erschreckend, passt aber in das Bild, das immer mehr Studien zeichnen.”
Quelle: https://www.dw.com/de/m%C3%BCnchener-studie-best%C3%A4tigt-starkes-insektensterben-in-deutschland/a-51051311

“Über einen Zeitraum von 46 Jahren sank auf der Schwäbischen Alb die Zahl der Nester einer Schmalbienenart um 95 Prozent. In den Isarauen im bayerischen Dingolfing sind drei Viertel der Wildbienenarten im Verlauf nur eines Jahrzehnts verschwunden. Aber auch andere Insektengruppen sind dezimiert. Zikadenpopulationen auf Trockenrasen in Ostdeutschland nahmen über 40 bis 60 Jahre um 54 Prozent ab. Im Feuchtgrünland in Niedersachsen betrugen die Verluste sogar 78 Prozent.”
https://www.boell.de/de/2020/01/08/insektensterben-deutschland-abwaerts-im-trend

Der Insektenatlas 2020 bennent einen globalen Rückgang der Insektenmasse um jährlich etwa 2,5 %

Nehmen wir einmal an, dass durch die EU-Entscheidung zur Agrarreform vom vorherigen Freitag sich die Insektenmasse pro Jahr um ca. 2,5% reduziert.
Gesichert für die nächsten 7 Jahre!!

Das würde bedeuten, wenn man verschiedene Studien (grob und etwas oberflächlich) interpoliert, dass
wir im Jahre 1990 einen Insektenbestand von 1000 hatten.
2017 lag dieser nur noch noch bei etwa 250.
Zum Ende der nächsten Agrarperiode werden dann aus etwa 1000 Insekten im Jahre 1990 nur noch etwa 190 Exemplare übrig bleiben.
Komplettkatastrophe!!

Die jährliche Abnahme von 2,5 % in den nächsten Jahren ist natürlich nur eine Schätzung.
Zu berücksichtigen ist natürlich, dass Kommunen bereits sehr aktiv geworden sind, dass Bürgerinnen und Bürger etwas machen,
dass viele Landwirte etwas für die Insektenwelt erbringen.

Dennoch muss leider auch konstatiert werden: Viele Blühstreifen werden jährlich gepflügt. Die Nachzucht vieler Arten wird dadurch vernichtet.
Viele Blühareale bestehen aus relativ artenarmen Mischungen (häufig nur 10 Arten). Davon profitieren dann lediglich die Generalisten.
Damit z.B. mono- und oligolektische Arten einen Nutzen haben (diese sind auf einezlne Arten- oder Gattungen von Pflanzen angewiesen)
ist deutlich artenreicheres Saatgut notwendig. Z.B. der “Schmetterlings- und Wildbienensaum” der Firma Rieger Hofmann.
Diese mehrjährige Regiomischung beinhaltet knapp 90 Arten, kostet pro Kilo jedoch auch um die 100 Euro.
Ein Kilogramm reicht für 500 m².

Blumiger Landkreis Osnabrück
Artenvielfalt steigern, Insektensterben stoppen
González-Romero-Blühwiesenkorridor Blumiger Landkreis Osnabrück
http://blumiger-lkos.de

Damit es weitergeht: Spenden für das Projekt:
https://www.betterplace.org/de/projects/61252-blumiger-landkreis-osnabrueck

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