Das Artensterben ist in vollem Gange – wir brauchen schnelle (kleine oder große) und viele Projekte,
punktuell (oder flächendeckend) und massenhaft. Und vor allen Dingen ohne große bürokratische Hindernisse.

Der Gnadenhof Brödel Melle beginnt heute ganz offiziell ein entsprechendes Projekt gemeinsam mit der Stadt Melle.
Großer Dank an das Umweltbüro der Stadt Melle, insbesondere an Klaus Lichy und Thilo Richter.
Das ist eine sehr konstruktive und befruchtende Zusammenarbeit.
Vielen Dank für das nette Treffen heute auch an Herrn Jürgen Krämer, den Stadtsprecher der Stadt Melle.
Einmal mehr wird die Stadt Melle ihrem guten Ruf als natur- und artenschutzfördernd gerecht.

Kooperationsprojekt zwischen der Stadt Melle und dem Gnadenhof Brödel

Auf einer Kompensationsfläche in Melle/Oldendorf – in der Nähe der Bushaltestelle Schürenort gelegen – beginnen das Umweltbüro der Stadt Melle
und der Gnadenhof Brödel der gUG Umweltschutz und Lebenshilfe ein gemeinsames Naturschutzprojekt.

Verschiedene Schafe und Ziegen, unter Umständen kurzfristig auch zwei Ponys, werden das etwa 1700 m² große Areal mehrfach im Jahr durch eine Stoßbeweidung pflegen.
Diese Form der Beweidung sorgt für einen Schutz und eine Entwicklung standortabhängiger Pflanzen und Tiere.
Zudem entwickeln sich hilfreiche Mikrostukturen, welche Belange des Natur- und Artenschutzes fördern und unterstützen.

Die Folge: Die Stadt Melle spart mit dieser Maßnahme Kosten für ansonsten durchzuführende Pflegemaßnahmen, der Gnadenhof Brödel kann die Fläche kostenlos nutzen und
somit Futterkosten einsparen.

„Durch die Stoßbeweidung entstehen wertvolle Kleinstrukturen“, sagt der Leiter des Umweltbüros Thilo Richter.
Der Verbiss der Tiere sorge beispielsweise dafür, dass Offenstellen im Boden geschaffen werden, welche eine wertvolle Nisthilfe für Insekten darstellen.
Mittelfristig werdem dem Areal zudem Nährstoffe entzogen, wodurch sich ganz natürlich verschiedene Wildblumen ansiedeln können.

Kai Behncke, ehrenamtlicher Geschäftsführer der gUG Umweltschutz und Lebenshilfe:
„Die Stoßbeweidung ist eine kurzfristige intensive Beweidung mit einer hohen Besatzdichte.
Sie kommt in ihrer Wirkung auf den Pflanzenbestand einer Mahd nahe, die aber Amphibien und
Insekten schont. Eine Mahd ist stets mit hohen Tierverlusten verbunden, eine Beweidung hingegen in wesentlich geringerem Maße.
Auch für die Gesundheit unserer Gnadenhoftiere ist eine Beweidung einer frischen Fläche förderlich.
Wir freuen uns sehr über die gute Zusammenarbeit mit der Stadt Melle.“

„Eine Beweidung fördert durch die stattfindende kleinräumig variierende Weideintensität die Ausbildung von Lebensraumkomplexen.“,
erklärt Klaus Lichy vom städtischen Umweltbüro.
Eine Reihe von hilfreichen Mikrostrukturen können allein Weideregime bereitstellen: Dung als Nahrungssubstrat,
Tierpfade, Offenbodenstellen sowie überständige Pflanzenstängel als Nisthilfe“

Karsten Wachsmuth, Gnadenhof Brödel Melle: „Verschieden ähnliche Projekte haben beispielsweise gezeigt, dass
unterschiedliche Fledermausarten durch solche Projekte gefördert werden. Diese nämlich ernähren sich oftmals von Insekten, welche sich im Dung der Tiere befinden.

Damit die Fläche nicht durch Nährstoffe angereichert wird sollten die „Hinterlassenschaften“ der Tiere
während der Weidezeit regelmäßig abgetragen werden (Pferdehalter werden das für eine Weidehygiene wichtige „Abäppeln“ kennen).
Gleichzeitig wiederum dient der kurzfristige Dung der Tiere verschiedenen Insekten auch als Nahrungsgrundlage.
So wurde ermittelt, dass durch eine Weidenutzung beispielsweise ein Anstieg von Fledermausarten verzeichnet werden kann, welcher mit sog. „koprophagen“
Insekten in Verbindung gebracht wird.
Durch eine Beweidung entstehen durch den Verbiss der Tiere Offenstellen. Davon profitieren insbesondere Wildbienen, Heuschrecken und Tagfalter-Arten.
Beweidete Sandrasen sind zudem deutlich blütenreicher als unbeweidete Flächen, sodass auch das natürliche Blütenangebot für viele Insekten wächst.
Eine hohe Wildbienen-Diversität korreliert mit geringer Vegetationsdeckung und trockenen, offenen Bodenverhältnissen.

Auf dem Bild ansonsten noch zu sehen: Öffentlichkeits-Star-Ziege „Emil“ und „Das Schaf der Schafe“ Noisette

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