Meller Wanderweg „Jubiläumsweg“ – Eine tolle Kombination aus Sport und Naturschutz

Im Jahr 2018 hat uns das Artensterben massiv im Griff, und doch beginnen Menschen aufzustehen, gemeinsam zu Handeln,
das „Schicksal“ nicht mehr einfach so hinzunehmen. Ein tolles Projekt bei uns im „Dorf“ zeigt wie es auch gehen kann.
Viele Menschen aus verschiedenen Richtungen haben hier gemeinsam „Großes“ geschaffen.

Heute wurde der „Meller Jubiläumsweg“ eingeweiht. Ein Wanderweg, welche sportliche Aktivitäten (an diversen Punkten können sportliche Übungen geleistet werden)
mit Naturerfahrung und „Orten des Wissens“ kombiniert. Diverse Hinweistafeln machen auf Besonderheiten in der Natur aufmerksam. Und: Das ist erst der Anfang.
Der Weg wird kontinuierlich ausgebaut. Ein (mindestens eins) Feuchtbiotop, Blühwiesen, Schutzhecken, Trockensteinmauern, Totholzbestände für Insekten etc. folgen noch.
Der Wanderweg soll Bewegung an der frischen Luft mit tollen und wichtigen Projekten für den Artenschutz kombinieren,
und gleichzeitig Aspekte der Umweltbildung aufnehmen.
Unser Gnadenhof Brödel / Naturpark Kreimerhof grenzt übrigens genau an diesen Wanderweg an.

Ein besonderer Dank gilt Frank Strötzel und Hendrik Schweer vom TSV Westerhausen-Föckinghausen e.V. Der TSV hat dieses tolle Projekt maßgeblich initiiert und schon viele Hinweistafeln zu Sportübungen,
Naturphänomenen etc. errichtet. Ohne den TSV und sicherlich auch ohne Frank würde es dieses tolle Projekt nicht geben.
So manch ein Bundesligist könnte sich eine Scheibe davon abschneiden. Im Bewusstsein der Unvollständigkeit soll an dieser Stelle auch Eduard Meyer Zu Eißen vom Heimat- und Verschönerungsverein Westerhausen gedankt werden.
Der Heimat- und Verschönerungsverein hat z.B. diverse Sitzbänke (wenn mal die Puste ausgeht…) und auch Schutzhütten errichtet.
Danke auch an die Stadt Melle (z.B. Klaus Lichy, Thomas Täger) für eine aktive Mitwirkung. Hervorgehoben werden sollen auch Ortsbürgermeisterin Karin Kattner-Tschorn und Jutta Dettmann
(Vorsitzende im Ausschuss für Bildung und Sport der Stadt Melle) sowie George Trenkler (Vorsitzender Umweltausschuss Stadt Melle). Viele viele weitere Personen haben mitgewirkt. Danke an Anja Lange-Huber, Lars Albertmelcher, Danke an die Grundschule Westerhausen,
die Grundschule Oldendorf, den Naturpark Gnadenhof Brödel Melle (somit also danke auch an uns selber, wir haben die Wanderkarten erstellt und die „Zahnstocher für Riesen“ gesponsert (siehe Bild) (gern geschehen ;-)).
Danke auch an die Tischlerei Siebert, welche Schutzrahmen für die Wanderkarten baut. Ein Dank gilt zudem der Albert-Schweitzer-KITA und auch dem SV Oldendorf.
Nicht zu vergessen ist selbstverständlich auch der Ortsrat Oldendorf (als „Gesamtes“), welcher hier hervorgehoben werden soll.
Vielen Dank auch an die Waldbesitzer, welche das Projekt unterstützen. Und ein hervorgehobener Dank an die vielen HelferInnen und Helfer, welche bei dem nasskalten Wetter Kuchen und heiße Getränke angeboten haben.
Wenn der TSV etwas macht: Immer top organisiert 🙂
Es war ganz schön was los bei der Einweihung. Trotz Grippe naseschniefend für ne knappe Stunde dabei gewesen. Auch Vertreter des Kreissportbundes,
die stellvertretende Bürgermeisterin von Melle Christina Tiemann und und und… waren dabei (offen gesagt, ich kannte leider nur die Hälfte, daher der Dank im Bewusstsein der Unvollständigkeit).
Auch Schäferhund Mia fand das ganze hoch spannend.

Aufgestellt werden nun in Westerhausen, Föckinghausen, Oberholsten und Oldendorf insgesamt 10 DINA0-Wanderkarten. Diese Karten sind „dynamisch“.
Wann immer ein neues Projekt hinzukommt (z.B. Blühwiese, TrockenholzRefugium für Insekten, Trockensteinmauern, Stochennest, Feuchtbiotop etc. etc.)
so werden diese Karten erweitert. So können die Menschen sehen und erleben, wie sich Ihr eigenes Großbiotop gestalten und ausbauen lässt. Die Verbundenheit der Menschen mit ihren eigenen Projekten herstellen – so kann es gehen.
Und es ist garnicht so schwer. Das Projekt macht Mut und zeigt wie es geht, wenn sich viele Menschen und Gruppierungen zusammentun.
Zwar ist es auch „nur“ ein Baustein, aber auch ein großes Mosaik setzt sich immer aus vielen Einzelteilen zusammen.
Das letzte Wort ist beim Artensterben „noch nicht gesprochen“. Hoffentlich!
Hervorragend!! Weiterhin lokal was bewegen und auf die Beine stellen, wir haben es selber in der Hand (aber das ist ja auch nichts Neues ;-))

Naturschutz EXTREME

Naturschutz EXTREME – Heute Stress (?) mit nem Bullen

Letzte Woche ne Blühwiese gemäht und das Schnittgut im Glauben etwas Gutes zu tun,
auf einer nebenliegenden Weide abgelegt (wird von Galloway-Rindern beweidet). Höre dann, dass es dort besser nicht abgelegt werden soll.
Ok, mea culpa, Sorry… Ich also heute wieder hin um das Zeug dort umzulagern und von der Rinderweide zu entfernen.
Nette Bekanntschaft mit einem 200.000 Kilo-Bullen gemacht 🙂
Naja, wahrscheinlich war der nur neugierig, aber man weiß ja nie….

Ansonsten heute noch ne Blühwiese in Riemsloh abgemäht.
Die Zusammenarbeit mit der Stadt Melle läuft gut. Auf einigen städtischen Arealen haben wir Blühwiesen für Insekten angelegt. Um die Pflege kümmern wir uns ehrenamtlich, das Schnittgut holt
der städtische Bauhof dann ab (sofern es nicht auf unserem Gnadenhof verfüttert oder eine Nisthilfe für Kleintiere wird).
Für eine großflächige Entsorgung ist unser Maschinenpark leider viel zu klein.

In Riemsloh hat die Stiftung für Ornithologie und Naturschutz (SON) ein großes Schalbenhotel angelegt.
Direkt unterhalb dessen blühte in diesem Jahr dann „unsere“ fantastische Blühwiese mit allem PiPaPo.
Eine interessante Zahl: Eine Mehlschwalbenfamilie verspeist während der gesamten Brutzeit etwa 1 Kilogramm Insekten – das sind etwa 250.000 Stück.
In Riemsloh können die Schwalben direkt von ihren Nestern zum Buffet segeln, auch nicht schlecht, aber wir brauchen mehr davon….

Letztlich muss einfach Schluss damit sein zu sagen: „Der Staat sollte mal“, „das Land müsste mal“, „die Kommune hat doch dafür zu sorgen, dass…“
Nein! JedEr Einzelne (ggf. in Kooperation mit Institutionen & Co.) kann ganz ganz viel machen. Ausreden sind: Ausreden (und gelten nicht)…

Auf ins nächste Jahr

Heute die jährliche Pacht bei einem unserer Landwirte gezahlt.
Auf die „gute alte Art“, ohne schriftlichen Vertrag und mit Handschlag besiegelt.
7000 m²: Auf ein weiteres Jahr.
Der Verpächter ist ein sehr netter Mensch, welche den Artenschutz maßgeblich fördert. Danke 🙂

Mittlerweile haben wir 25.000 m² zur Verfügung, welche von unseren Gnadenhoftieren abgeweidet werden.
Auf allen Arealen säen wir immer auch größere Blühwiesen aus. So schaffen wir wertvolle Biotopverbunde.

Es wird ja viel über „die Landwirte“ oder „die Bauern“ gemeckert.
Die intensive Landwirtschaft muss auch mit Fug und Recht als hauptverantwortlich für das Artensterben kritisiert werden, aber natürlich sind ja nicht alle gleich.
Viele Landwirte beteiligen sich mittlerweile z.B. am Insektenschutzprojekt „Blumiger Landkreis Osnabrück“.
Und ohne die Landwirte, welche uns Areale verpachten, könnten wir auch keinen „größerflächigen“ Artenschutz betreiben.

Gewinner des Foto-Wettbewerbs stehen fest

Die Entscheidung ist gefallen. Die Gewinner des Foto-Wettbewerbs von „Blumiger Landkreis Osnabrück – Artenvielfalt steigern, Insektensterben stoppen“ stehen fest.

Platz 1 (Marianne Wuenning): Blühwiese vor der St. Antonius-Kirche Hoyel
Platz 2 (Suse): Glückliche Hummel mit Pollen überall
Platz 3: (Tanja Menke): Bunte Vielfalt am Zwickenbach

Herzlichen Glückwunsch 🙂 Die Gewinner werden in den nächsten Tagen kontaktiert. Die Preise werden im Dezember verschickt. 🙂

Katastrophenalarm aufgrund des Artensterbens

Das größte Artensterben in der Geschichte der Menschheit ist in vollem Gange.
Aus diesem Grunde haben wir daher heute ein neues Straßenverkehrs-Alarm-Blinklicht eingeführt:

Grünes Rundum-Blink-Warnlicht

Bei einem grünen Blinklicht muüssen „Otto Normalverbraucher“ und „Martha Mustermann“ Platz machen, wenn wir zu einem Einsatz
in der Natur gerufen werden. Schön rechts ran fahren, aber zackigiani!
Das Artensterben (insbesondere Insektensterben) gewährt keinen Zeitaufschub mehr….

Unseren Notfalleinsatz haben wir heute gefilmt. Auf einer weiteren Fläche Katastrophenalarm.
Monotone Artenarmut, kaum noch Leben, Tristesse, Aufruhr, tiefe Traurigkeit,
wir haben heute erfahren, dass auch Wiesen, aufgrund des Insekten- und Artensterbens, sich panisch bemerkbar machen können.

Den Film sehr Ihr hier:

Gerne teilen und verbreiten….

Blumiger Landkreis Osnabrück
Artenvielfalt unterstützen, Insektensterben stoppen
http://blumiger-lkos.de

Wir benötigen dringend noch Stimmen, um weiteres Geld für unsere Artenschutzprojekte zu erhalten.
Bitte stimmt hier für uns ab:
https://machsmoeglich.canadalife.de/voting/voting-gesellschaft-bildung/insektenschutzprojekt-blumiger-landkreis-osnabrueck/

Endlich wieder Blühwiesen

Heute endlich wieder ne Blühwiese für das nächste Jahr vorbereitet.
Da endlich der Anhänger repariert ist kann nun wieder vernünftig gearbeitet werden.
800 m² abgemäht und abgetragen, die Insekten freuen sich schon.
Hier wird es summen und brummen, dass es eine Freude ist. Diese Blühwiese betreuen wir nun schon im dritten Jahr. Wir sind gespannt 🙂

Die aktuellen Zahlen zum Insektensterben sind nach wie vor alarmierend (wie sollte es auch anders sein, ist ja kaum was passiert).
Trotzdem ist merkbar, dass es „knistert im Gebälk“. Viele Menschen sind sensibilisiert.
Heute mit zwei sehr netten Personen gesprochen und einen Austausch über insektenfreunliche Gärten geführt.
Es werden immer mehr, die sich engagieren und beteiligen.

Eine sehr gute Initiave: Die SPD in Melle spricht sich dafür aus, dass die klassichen Steinwüsten in neuen Bebauungswüsten nicht mehr erlaubt werden:
https://www.noz.de/lokales/melle/artikel/1575836/meller-spd-will-steingaerten-verbieten

Zwar gab es in sozialen Netzwerken viel ahnungslose Kritik („Die wollen uns vorschreiben, wie wir unsere Gärten gestalten sollen“),
die Idee ist aber ohne jede Frage gut, richtig & wichtig und sinnvoll (und längst überfällig).
Sterile Steinwüsten in Vorgärten sind nichts anderes als sterile Wüsten der Artenarmut, wer soll dort leben?
Oder anders: Steingärten sind: Sterile Wüsten des Todes (etwas plakativ-drastisch formuliert)

Interessant ist: Die Gesamtheit aller Gärten in der Bundesrepublik umfasst etwa 930.000 Hektar.
Zum Vergleich: Die Gesamtheit der Naturschutzgebiete liegt bei 1.382.000 Hektar.

Die verblühte Wiese heute war nicht ganz ohne: Zwischendurch rauchte sogar der Motor des Balkenmähers. Das Schnittgut landete auf einer Rinderwiese.
Wenn die Rinder es nicht fressen, dann freuen sich verschiedene Kleintiere über eine schöne Schutzburg in kalten Winternächten.

Wir brauchen Geld für frisches Saatgut und vertiefte Umweltbildung: Bitte stimmt für uns ab

Artenvielfalt fördern, Insektensterben stoppen
Auch im Jahre 2019!!! Blumiger Landkreis Osnabrück läuft weiter. Bitte Bitte stimmt hier für uns ab: https://machsmoeglich.canadalife.de/voting/voting-gesellschaft-bildung/insektenschutzprojekt-blumiger-landkreis-osnabrueck/
Bei genügend Stimmen erhalten wir Geld für weiteres Blühwiesensaatgut, die Reperatur von Maschinen
und eine vertiefte Umweltbildung mit Schulen. Um das Artensterben zu stoppen müssen wir bei den „ganz Kleinen“ anfangen.

Bitte teilen und verbreiten.

Für Euch ist es nur die Eingabe einer Mailadresse und ein Mausklick.
Für viele Insekten, Kleinsäuger, Reptilien, Amphibien, Fische und Vögel bedeutet es
Vielfalt und Nahrung. Gemeinsam aktiv gegen das Insektensterben.

Blumiger Landkreis Osnabrück. Ehrenamtlich für eine biologische Vielfalt und gegen das Insektensterben.
http://blumiger-lkos.de

Der Alltag im Ehrenamt

Manchmal werden wir gefragt, wie sich eigentlich unsere Naturschutz- und Gnadenhofarbeit einteilen lässt.

Ca. 60 % der Arbeit sind eindeutig körperlicher Art (ein Großteil davon schlichtweg körperlich harte Maloche):
Blühwiesen fräsen, Mähen, Zusammenharken, Aussäen, Anwalzen, Lehm in Feuchtbiotope schaufeln,
Steine schleppen, Zaunpfosten einschlagen, Zäune spannen, Wiesen von Tiermist befreien, Wasser schleppen (im Sommer am Tag z.B. ca. 120 Liter),
Füttern, abäppeln etc….
Unsere 2 Ponys z.B. produzieren alle 3 Tage eine Schubkarre Mist (siehe Bild, super für Tomaten, Gurken, Zuchini, Kürbisse etc.), der muss von der Wiese runter
(Weidehygiene), Ställe ausmisten etc….Auch das gehört dazu

Ca. 30-35 % der Arbeit sind rein theoretisch (Anträge schreiben (ein „ordentlicher“ Antrag hat in der Regel zwischen 15 und 45 DIN-A4-Seiten)).
Die „hohen“ Anträge benötigen mindestens das Niveau von ’ner Bachlorarbeit, auch das gehört dazu, ansonnsten wird das nix mit Stiftungsgeldern.
Ein Antrag, den wir beim Bundesamt für Naturschutz eingereicht hatten (ca. 60 Seiten) war schon eher ne Masterarbeit und wurde: Abgelehnt.
Auch das gehört dazu. Einige Hundert Stunden Arbeit für die Katz. Kann man was draus lernen, Lehrgeld zahlen,
Projektberichte erstellen, Kalkulationen schreiben, Buchführung, Spenden einwerben, Online-Tätigkeiten, Software programmieren etc.

Dann: Ca. 5-9,5%: Sonstiges
Termine mit Tieren beim Tierarzt, beim Hufschmied, Termine mit Stadt, Landkreis, Anwalt, Steuerberater, Notar, Bank, Treffen mit Sponsoren und Stiftungen, Kampagnen überlegen (verrücktes Zeugs ausdenken), Presse- und Netzwerkarbeit,
Fahrtzeit (Transport von Maschinen), Schulungen,
Reparatur von Maschinen, Umweltbildung mit Schulen etc.

Ca. 0,5 %: Enttüddeln von Schafzäunen (grrrrrrrrrr……=/)

Manche Arbeiten machen nicht so viel Spaß (Buchführung, Schafzäune enttüddeln), andere wiederum sind toll (Füttern z.B.).
Heute abgeäppelt und die Tiere mit Zweigen versorgt. Finden die super 🙂
Die nagen die Rinde richtig ab, das sollen sie auch, denn da sind wichtige Mineralien drin (haben aber auch einen Leckstein und ne extra Leckschale (sogar mit Selen, wichtig für Schafe))

http://umweltschutz-und-lebenshilfe.de

Blühwiesenmahd und Nisthilfen

Und auch heute wieder Klasseeinsatz von Karsten Wachsmuth, Julia Biegall, Joel und Leonie. Große Klasse!! Weitere Blühwiesen bearbeitet. Die Fläche an der Oldendorfer Straße in Melle gehört zu den Arealen, welche wissenschaftlich untersucht wurden: https://www.umweltschutz-und-lebenshilfe.de/wildbienenmonitoring_endbericht_blumiges_melle.pdf

Dort wurde in der Mitte der Blühwiese nun ein großer Haufen Schnittgut geschaffen, um Insekten und anderen Tieren eine Überwinterungsmöglichkeit zu bieten z. b. Igeln und anderen Kleinsäugern.
Im Frühjahr werden Rebhühner und Fasane dort eine gute Deckung und Futter für die Aufzucht der Jungen finden (wenn die Blühwiese wieder wächst (dann schon im dritten Jahr :-))

Ähnliches wurde heute auch in Melle am Zwickenbach praktiziert. Durch Nährstoffe, welches durch das Schnittgut in den Boden gelangen, bilden sich zumiest Brennesseln. Diese sind außerordentlich wertvoll für viele Raupen von Schmetterlingen.

Buchempfehlung: Das grosse Insektensterben. Was es bedeutet und was wir jetzt tun müssen.

Super Buch gelesen, wer sich weiterbilden möchte:

Literaturtip: Das große Insektensterben. Was es bedeutet und was wir jetzt tun müssen (Andreas H. Segerer, Eva Rosenkranz), oekom-Verlag

Das Buch ist absolut empfehlenswert, es löst „Aha-Effekte“ aus, klärt auf und motiviert. Es gehört zu den besten Büchern, welche ich zu diesem Thema jemals gelesen habe. Seit rund drei Jahren beschäftigen wir (die Organisatoren der Insektenschutzprojekte „Blumiges Melle“ (http://blumiges-melle.de) und „Blumiger Landkreis Osnabrück (http://blumiger-lkos.de) uns ja (mehr oder minder) intensiv mit dem Thema. Trotzdem haben wir in dem Buch noch eine Vielzahl von Fakten und Informationen gefunden, die wir so noch nicht kannten. Das Werk ist lebendig geschrieben und hält eine Menge an wissenschaftlich belegten Informationen bereit (auch für Nichtwissenschaftler). Es sorgt dafür, dass ob der Situationen man als Leser einen trockenen Mund und eine klitzschnasse Stirn bekommt, und gleichzeitig motiviert es in hohem Maße. Nach dem Werk dürfte auch „der/die Letzte“ seine Zweifel am Insektensterben aufgegeben haben. Wer nach dem Schlusssatz nicht motiviert ist, nun endlich mitanzupacken und zu handeln, der ist entweder apathisch-gleichgültig oder hat ein Herz aus Stein. Zum Einstieg ein Kaltstartschocker (S.83):
Das sechste große Massensterben
„Im Lauf der Erdgeschichte sind immer Arten ausgestorben oder neue entstanden. Die Rate, mit der das geschah, lässt sich aus dem Fossilbeleg durch Datierung anhand der geologischen Zeitskala ermitteln. Schon vor 15 Jahren wurden Anzeichen dafür gefunden, dass die heutige Aussterberate rund tausend Mal über dem erdgeschichtlichen „Grundrauschen“ liegt. Diese Befunde haben sich zwischenzeitlich nicht nur erhärtet, sondern tendieren sogar gegen den Faktor Zehntausend. Forscher sprechen von einem „flächenhaften Kahlschlag“ der Tierwelt („Defaunation“) und sind sich inzwischen sicher: Das sind Anzeichen eines globalen Massenaussterbens. Nur fünf Mal sind in den vergangenen 542 Millionen Jahren, in der Ära höheren Lebens auf der Erde (dem Phanerozoikum), hat es Massensterben von vergleichbarer Intensität gegeben. Zuletzt passierte das vor 66 Millionen Jahren, als der Einschlag eines großen Asteroiden die Erde mit einer Wucht von einer Milliarde Atombomben erschütterte und die bereits vorbelasteten Ökosysteme kollabieren ließ.“

Aber der Reihe nach:
Zunächst wird auf die Leistungen der Insekten eingegangen. Als „Bestäuber“ sind 90% der Blütenpflanzen (ca. 80% der Nutzpflanzen) auf Bestäubung durch Insekten angewiesen. Ein beiderseitiges Geschäft. Die Pflanzen sichern sich die Fortpflanzung und die Insekten erhalten im Gegenzug Nahrung. Sie werden mit Pollen als Proteinquelle und Nektar als Kohlenhydrate versorgt.
Als Nahrungsquelle sind sie für Spinnen und andere Gliederfüßer, Amphibien, Fische, Reptilien, Singvögel, Kleinsäuger, Fledermäuse elementar.

Auf den Punkt gebracht (S.34): „Fallen Insekten als Nahrungsquelle aus, wirkt das wie ein Dominoeffekt bis in die feinsten Bereiche des Nahrungsnetzes zurück; es wird von der Basis her löchrig, anfällig für Störungen und kann sogar reißen, was den Kollaps der Ökosysteme bedeuten würde. Dieses Geschehen kann mit einer Pyramide aus Konservendosen verglichen werden, die im Supermarkt aufgestapelt ist; fängt ein Schelm an, ganz unten eine Dose nach der anderen herauszunehmen, dauert es nicht lange, bis die Pyramide teilweise oder, wenn es dumm läuft, sogar ganz in sich zusammenstürzt. Nichts anderes droht in der Natur, wenn eine Art nach der anderen ausstirbt – trifft es die entscheidenden Leistungsträger […] bricht alles zusammen.“

Recycler und Regulierer: Insekten gehörten zu den wenigen Organismen, die durch verschiedene Enzyme in der Lage sind, Aas zu fressen und es für Mikroorganismen „aufzuschließen“. Wären keine Insekten vorhanden, die Zersetzung von „totem Material“ (tierisch oder pflanzlich) würde um ein Vielfaches länger dauern. Nährstoffe würden entsprechend lange brauchen um im Boden zur Verfügung zu stehen. Und noch anders: Es würde stinken! Nach Fäulnis und Verwesung, die Gefahr von Seuchen würde wachsen. In der Stadt und auf dem Land.

Ohne Insekten würde sich unsere pflanzliche Ernährung im Wesentlichen auf Getreide konzentrieren, welches einer Winbbestäubung unterliegt. Oder etwas schärfer: Keine Insekten mehr = Mangelernährung!

Zudem: Die Landschaft würde noch monotoner werden, als sie (z.B. durch Monokulturen) ohnehin schon ist. Arten sterben aus, kein Zwitschern, kein Summen, keine bunten Farben mehr….

In einem weiteren Kapitel wird die „allgemeine Situation“ beschrieben. Das Insektensterben wird z.B. als größere Bedrohung als der Klimawandel dargestellt. Die harten Fakten lassen einem den Atem schwinden. In Bayern gingen in dreißig Jahren (1971-2000) mehr Schmetterlingsarten verloren (226) als in den vorausgegangenen 200 Jahren zuvor (191).
Bei mehr als ¾ unserer Schmetterlinge (Deutschlandweit) haben sich die Populationen um über 90% reduziert. In den Fluren Deutschlands gingen seit 1980 mehr als die Hälfte des Bestandes (55%) aller Vogelarten „verloren“. Zwischen 1998 und 2009 „verschwanden“ ca. 12,7 Millionen Brutpaare in Deutschland – Eine Katastrophe.
Interessant ist in diesem Zusammenhang auch der „ökologische Fußabdruck“ der Menschheit. Seit 1970 werden deutlich mehr natürliche Ressourcen verbraucht als die Erde reproduzieren kann. Im „globalen Mittel“ 1,7 X der Planet Erde. In Deutschland ist es noch schlimmer. Hier wird sogar auf Kosten von 3,2 Planeten gelebt.

Auch bei der Ursachenforschung wird „kein Blatt vor den Mund genommen“:
Es liegt eine multikausale (nicht-lineare) Wechselwirkung vor, bestehend hauptsächlich aus:
A) Intensiver Landwirtschaft (Heckenverlust durch Flurbereinigung), Einsatz von Pestiziden (1998 noch 35 Kilotonnen, heute: 47 Kilotonnen), Monokulturen, „Mähen auf Teufel komm raus“ (bis zu 6 mal im Jahr): (S. 95):
„Moderne Mähwerke sind wahre Todesfallen; kommt ein sogenannter Aufbereiter zum Einsatz, sterben rund 60 Prozent aller auf den Pflanzen sitzenden Insekten. Vielfach wird innerhalb weniger Stunden eine riesige Fläche gemäht und gleich für das Silo […]abgeräumt. Insekten finden oft keine Ausweichflächen mehr. Außerdem verschwinden bei zu häufiger Mahd empfindliche Pflanzen – und mit ihnen jene Insekten, die von ihnen leben. Häufig gemähte Biotope verschwinden rasch zu „grünen Wüsten“.“

„Kollateralschäden“ der intensiven Landwirtschaft sind eine abgrundtief grausame und barbarische Tierhaltung, Gülle in Fülle (wer braucht schon sauberes Trinkwasser?), klimawirksame Spurengase, und Antibiotika in der Tierhaltung.
B) Massive Flächenversiegelung: Nach Angaben des Umweltbundesamtes dehnte sich zwischen 1992 und 2015 deutschlandweit die Siedlungsfläche um 29,7 % und die Verkehrsfläche um 10,1 % aus. Täglich verschwinden ca. 104 Hektar unter Beton und Asphalt.

Teil 2 ist ein Lehrstück aus dem Bereich der Mobilisierung hin zu mehr Aktionismus: Natürlich sind wir nicht der Situation hilflos ausgeliefert. Wir alle, jeder Einzelne, hat es in der Hand und kann wertvolle Beiträge leisten:
Neben vielen sinnvollen Hinweisen für eine „übergeordnete Ebene“ (z.B. Politik, Regulierung der Landwirtschaft), können wir auf Balkonen, in Gärten, auf extra gepachteten Flächen (eine Flächenpacht liegt für einen Hektar oft bei wenigen Hundert Euro im Jahr) vieles vieles tun:
(S. 143):
* Standortangepasste Nahrungs- und Wirtspflanzen in ausreichender Menge und über alle Vegetationsmonate verteilt
* Viele ungefüllte Blüten, da bei gefüllten Blüten Insekten Pollen und Nektar nicht erreichen können
* Wiesen, die (wenigstens zum Teil) mit einheimischen Wildblumen aufgewertet und nur zweimal gemäht werden
Siehe auch Blühwiesenanlage und Pflege: http://blumiger-lkos.de/bluehwiesen-gestalten/
* Mähen in Abschnitten, um nicht alle Insekten dabei zu töten oder alle Nahrungsquellen gleichzeitig zu beseitigen
* Verzicht auf Mähroboter, Laubsauger- und -bläser
* Verschiedenartige Nistplätze für die unterschiedlichen Bedürfnisse der Insekten
(eigene Anmerkung: Aber nicht den Quatsch aus dem Baumarkt: http://blumiger-lkos.de/insekten-nisthilfe/)
Das Buch (S. 161) zu den herkömmlichen „Baumarkt-Nisthilfen): „Doch wer die teils gewagten Konstruktionen kauft, ist einem PR-Gag aufgesessen – als habe man für einen luxuriösen Preis ein Billighotel ohne Frühstück gebucht. Im Grunde ist schon der Name bezeichnend: Hier ist nichts von Dauer. Aber Insekten sind keine Jetsetter, sie suche eine sichere Bleibe für sich und ihre Nachkommen, und sie brauchen mehr als ein paar Holzriegel, unsachgemäße Holzstücke mit noch unsachgemäßeren Bohrungen.“
* Baumaterial für den Bau von Brutzellen
* Totholz, Sand, Lehm, Steine
* Wasser, Pfützen
* Verwelkte Pflanzen, die über den Winter stehen bleiben
* Verzicht auf Dünger, Herbizide, Insektizide
* Verzicht auf Hybridpflanzen
* Komposthaufen
* Begrünte Fassaden etc. etc.

Interessant ist: Die Gesamtheit aller Gärten in der Bundesrepublik umfasst etwa 930.000 Hektar. Zum Vergleich: Die Gesamtheit der Naturschutzgebiete liegt bei 1.382.000 Hektar.
Blühwiesen: Je nährstoffärmer desto besser (S. 147): „Artenreiche Blumenwiesen gedeihen auf mäßig oder gar nicht gedüngten Böden. Der Artenreichtum steigt von etwa 25 Arten von Blühpflanzen in einer Fettwiese auf über 100 Arten an sehr mageren, stickstoffarmen Böden.“

In dem Buch sind auch jene Pflanzen genannt, welche besonders häufig von Insekten und Wildbienen angeflogen werden, z.B. Wiesenbärenklau, Giersch, Goldrute, Wiesenkerbel, Wiesen-Pippau etc.
Wusstet Ihr, dass Löwenzahn von 25 und Weiden von 28 Wildbienenarten angeflogen werden?
In Kapitel 8 „Die Wiederentdeckung der Bauern“ wird hervorgehoben, dass die Landwirte die potenzielle Rolle als Hüter von Boden, Pflanzen- und Tierwelt innehaben. Eine Vielzahl von Lösungsmöglichkeiten (samt guter Beispiele – auch über die Landwirtschaft hinausgehend) wird hervorgehoben.
Das Buch ist herausragend, ein Kracher! In einem Rutsch durchgelesen und jetzt noch mehr Motivation und Ziele, welche das Insektensterben (bei bei uns in unserem kleinen Rahmen) stoppen sollen. Kaufempfehlung!

Blühwiesenwunder in Vorbereitung

Das Insektensterben wird auch im nächsten Jahr eine massiv zentrale Aufgabe bleiben.
Danke an Karsten Wachsmuth und Julia Biegall. Die beiden haben in Bissendorf bei der Firma Runge 5000 m² gemäht und abgetragen, wow! Das ist Einsatz!
So wird auch im Folgejahr wieder eine tolle Blühwiese entstehen.

Endbericht Insektenmonitoring „Blumiges Melle“

Um dem Insektensterben Einhalt zu bieten ist es unabdingbar wissenschaftliche Untersuchungen zur Bestandsentwicklung von Insekten
zu fördern. Ein Beitrag dazu wurde innerhalb des Projektes „Blumiges Melle“ geleistet.

Den entsprechenden Bericht findet Ihr nun unter folgendem Link:
https://www.umweltschutz-und-lebenshilfe.de/wildbienenmonitoring_endbericht_blumiges_melle.pdf

Wir bedanken uns an dieser Stelle nochmals bei allen UnterstützerInnen.

Auch unabhängig von dem Report einige zentrale Erfahrungen aus der Projektlaufzeit:

* Viele, viele Menschen wollen aktiv werden, „trauen“ sich aber nicht so recht
(weil sie oft „Angst“ haben, etwas falsch zu machen).
Nimmt man sie „an der Hand“ (und nimmt ihnen die Sorge), dann sind sie oftmals mit sehr hohem persönlichen Einsatz dabei

* Auch Blühwiesen, welche im ersten Jahr nicht so wachsen wie erhofft, können bei einer entsprechenden Pflege (Mahd und Mahdgut abtragen)
im zweiten Jahr ein „Volltreffer“ sein

* Blühwiesen sind nur ein Teil eines Insektenschuztes. Erst durch das Zusammenspiel mit Nisthilfen im nahen Umfeld leisten diese einen maßgeblichen Beitrag.

* Durch das Monitoring festgestellt: Eine im zweiten Jahr wachsende Blühwiese zieht eine höhere Artanzahl, als im ersten Jahr an

* Diverse gefährdete Arten profitieren von Blühwiesen, angelegt mit regionalem Saatgut

Bio-Lebensmittel fördern Biodiversität

Freitag kam unsere wöchentliche Biokiste, ist immer ein Fest.
Oftmals fehlt es an Zeit für einen Einkauf, aber die liefern auch,
und suuuuper Sachen waren wieder drin.

Es besteht kein Zweifel: Wenn wir Verbraucher deutlich mehr Bio und deutlich weniger Produkte aus der
konventionellen Landwirtschaft kaufen (würden + werden), dann (wäre + wird) das Artensterben deutlich geringer ausfallen (ok, der Einkauf, also der Einfluss am Markt, ist nur ein Faktor von vielen, aber ein sehr wichtiger…!).
Vielfach wird durch Bio-Produkte Biodiversität sogar noch gefördert. Und deutlich gesünder als das Zeugs
aus der konventionellen Landwirtschaft ist es auch (und produziert deutlich weniger Tierleid etc.).

Ok, das eine oder andere Produkt kann vielleicht in Ausnahmefällen auch mal
einem „Etikettenschwindel“ unterliegen (auch das gab es schon).
Und klar ist auch: Kaum jemand kann es sich finanziell leisten völlig und komplett auf Bioprodukte umzusteigen (wir auch nicht).

Aber Fakt ist: Je mehr Bio-Produkte wir kaufen, desto weniger Schaden (und oftmals sogar noch Nutzen) wird in der Natur und Tierwelt angerichtet.

Super Bioläden hier bei uns:
Gerogs Bioladen, Melle (http://georgs-bioladen.de)

Wer keine Zeit zum Einkaufen hat und sich die Lebensmittel einmal die Woche liefern lassen möchte:
Die Gemüsegärtner (Bramsche)

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Kamerateam begleitet Anlage einer Blühwiese

Heute hat uns einen Tag lang ein Filmteam begleitet, um einen Bericht über „Blumiges Melle“ zu drehen.
Wir geben Bescheid, wenn das gesendet wird. Interviews und die Anlage von Blühwiesen von Anfang bis Ende. Hat Spaß gemacht.
Bei der Mahd einer Blühwiese noch eine kleine Maus aufgeschreckt und dann aber galant aus der Gefahrenzone begleitet 🙂