Start des Projektes „Blumiger Landkreis Osnabrück PLUS“
und Besuch von Landtagsabgeordneter Gerda Hövel, Landrat Michael Lübbersmann
sowie Niklas Schulke (Ortsrat Gesmold).

Das war ein nettes Informationsgespräch heute Abend. Viel zum Projekt „Blumiger Landkreis Osnabrück“
erzählt, viele Fragen beantwortet und auch selber einiges erfahren. Hat Spaß gemacht.
Simone hat einiges zum entstehenden Schul-Lehr-und-Lerngarten in Melle berichtet (im Mai geht es los…).

Es gab durchaus verschiedene Schnitt- und konstruktive Berührungspunkte sowie auch
inhaltlich unterschiedliche Meinungen (Schutzstreifen FFH-Gebiet).
Ein nettes Treffen wars, wer weiß, was im Sinne von Blühwiesen darauf erwächst….:-)

Nachfolgend die offizielle Pressemeldung zum Start der Projekterweiterung
„BLUMIGER LANDKREIS OSNABRÜCK (PLUS)“

Pressemeldung: Projektbeginn des Insektenschutzprojektes Blumiger Landkreis Osnabrück PLUS

Am heutigen Tag startet das Projekt „Blumiger Landkreis Osnabrück PLUS“. Dieses stellt eine Erweiterung des seit April 2018 in der Umsetzung befindlichen Projektes „Blumiger Landkreis Osnabrück“ dar.
Das Ziel des Projektes ist es, durch die gezielte Anlage von Blühwiesen eine höhere Artenvielfalt zu schaffen. Basierend auf regionalem Saatgut sollen die Blühwiesen nicht nur Pollen- und Nektarspender für eine Vielzahl von Insekten sein sondern gleichzeitig auch dringendst benötigte Schutzzonen darstellen.

Wissenschaftliche Aussagen mehren sich, dass wir aktuell im Zeitalter des größten Artensterbens seit 66 Millionen Jahren leben. Dieses Artensterben ist ein Resultat menschlichen Handels. Die Blühwiesen stellen nicht nur eine Hilfe für Insekten dar sondern stabilisieren auch gleichzeitig Nahrungsketten einer Fülle von Folgenutzern, wie z.B. Fischen, Amphibien, Vögel, Reptilien und Kleinsäugern. Mittlerweile reicht die Masse der Insekten nicht mehr aus, um den Bedarf innerhalb unterschiedlicher Nahrungsketten zu decken. Die Folge: Eine Vielzahl von auf Insekten angewiesenen Tieren verhungert aktuell qualvoll.

Ziele

Folgende ehrenamtlich durchgeführte Maßnahmen sieht das Projekt „Blumiger Landkreis Osnabrück PLUS“ vor:
• Gezielte Anlage von Blühwiesen in verschiedenen Gemeinden. Das Ziel ist es bis 2020 einen „Blühwiesen-Flugkorridor“ zu schaffen, der von Hagen a.T.W. bis nach Melle reicht. Viele Insekten verfügen über einen geringen Flugradius. Eine Vielzahl von Wildbienen beispielsweise bewegt sich in einem Umkreis unterhalb von zwei Kilometern. Räumlich nah beieinander liegende Blühwiesen sollen einen wichtigen genetischen Austausch über eine längere Distanz ermöglichen. Dieser genetische Austausch ist elementar wichtig für eine Arterhaltung.
• Blühwiesen sind ein Teil eines Maßnahmenkonzeptes zum Insektenschutz. Ergänzend werden Nisthilfen basierend auf Totholz zur Verfügung gestellt. Hierbei wird gezielt auch von Borkenkäfern zerfressenes Laubholz zum Einsatz kommen. An sonnigen Standorten ist dieses durch die Gänge des Käfers eine ausgezeichnete Grundlage für die Eiablage unterschiedlicher Insekten. Somit werden wirtschaftlich eigentlich nicht mehr nutzbare „Reststoffe“ zu einem plötzlich wertvollen Beitrag gegen das Artensterben. Zudem werden an den Blühwiesen Streifen von Pflanzenstängeln bei einer Mahd stehen gelassen, da diese nach etwa zwei Jahren und einer entsprechenden Porosität als Bruthilfe genutzt werden.
• Damit sich Blühwiesen über viele Jahre erhalten können, müssen diese regelmäßig gemäht oder beweidet werden. Eine Besonderheit innerhalb von „Blumiger Landkreis Osnabrück PLUS“ stellt der Einsatz von Tieren des Gnadenhofes „Brödel“ Melle zur Pflege dieser Wiesen dar (http://gnadenhof-melle.de) (Ziegen, Schafe, Ponys). So können Tiere vor dem Schlachthof gerettet werden und sorgen durch eine schonende Beweidung dafür, dass auf den Blühwiesen „Mahdverluste“ verschiedener Lebewesen gering bleiben. Zudem haftet das Saatgut der Wildblumen an Fell und Wolle der Tiere an und wird dadurch natürlich weitergetragen.

Los gehts

Kai Behncke, ehrenamtlicher Geschäftsführer der gUG Umweltschutz und Lebenshilfe: „Wir bedanken uns bei allen Förderern und Unterstützern des Projektes. Wir haben im Landkreis Osnabrück schon einiges erreicht und notwendiger Weise aber auch noch sehr viel vor. Gleichzeitig müssen wir uns alle gemeinsam kritisch hinterfragen, ob wir wirklich genug für den Artenschutz leisten. Die Situation ist so dramatisch wie noch nie. Wir benötigen dringendst und unbedingt effektivere Schutzzonen und noch deutlich mehr Maßnahmen, um dem Artensterben Einhalt zu gebieten. Jeder Mensch kann viel für eine Artenvielfalt leisten, insbesondere im heimischen Garten. Wir fordern alle Gemeinden des Landkreises auf, sich an der Anlage von Blühwiesen zu beteiligen und gezielt eine räumliche Vernetzung dieser wichtigen Biotope umzusetzen.“
Ein Eindruck der räumlichen Blühwiesen-Vernetzung im Landkreis ist unter folgendem Link möglich:

http://insektenrettung.de/den-standort-einer-bluehwiese-planen-2/
http://insektenrettung.de/karte/oltest/dist/pollenversorgung2.html?mlat=915031&mlon=6847523&zoom=11

Artenschutz gewinnt an Bedeutung

Unter den von der gUG Umweltschutz und Lebenshilfe aus Melle betriebenen Webseiten http://blumiger-lkos.de und http://insektenrettung.de finden sich eine Vielzahl von Tipps und Tricks zur Anlage der für Insekten wichtigen Wildblumenwiesen.
Im Rahmen des Projektes finden zudem verschiedene größere Veranstaltungen statt. So wird am 6. Mai in Venne/Ostercappeln ein groß angelegter Aktionstag stattfinden, an welchem sich die Träger der regionalen Wirtschaft, die örtliche Grundschule, der Heimat und Wanderverein, die lokale Kirchengemeinde, der örtliche Golfclub und viele Privatleute beteiligen. Zwei Tage zuvor wird in Melle eine ähnliche Aktivität, unterstützt durch eine regionale Firma, durchgeführt.
Karsten Wachsmuth, Projektmitglied von Blumiger Landkreis Osnabrück: „Was wir in den letzten Jahren beobachten ist großartig – der Naturschutz wird ernst genommen wie selten zuvor. Wir können uns vor Anfragen kaum retten. Eine Fülle von Firmen im Landkreis beteiligt sich mittlerweile an den Artenschutzaktivitäten im Rahmen von Blumiger Landkreis Osnabrück. Zum jetzigen Zeitpunkt wurden uns über 300 Flächen von Kommunen, Unternehmen, Vereinen, Schulen und Privatleuten angeboten. Wir sind jedoch nur eine kleine Truppe von 5 Personen, welche das Projekt ehrenamtlich, „nach Feierabend“ in seiner Freizeit gestaltet. Wir rufen die Menschen im Landkreis auf, in ihrem Umfeld selber aktiv zu werden, sich für eine Blühwiesengestaltung Bodenfräsen z.B. im örtlichen Baumarkt zu leihen und regionales Saatgut auszusäen.“
Durch die bislang stattgefundenen Projekte „Blumiges Melle“ und „Blumiger Landkreis Osnabrück“ wurden bis zum jetzigen Zeitpunkt ehrenamtlich etwa 100 Blühflächen mit einer Gesamtgröße von ca. 200.000 m² geschaffen.
Im Rahmen der sog. „Blühwiesenliga“ (http://bluehwiesenliga.de), innerhalb welcher Deutschlandweit ein Ranking der aktivsten Kommunen im Insektenschutz durch die Anlage von Wildblumenwiesen stattfindet, befinden sich 3 Städte bzw. Kommunen aus dem Landkreis Osnabrück unter den „Top Ten“.
Simone Brockmann, Projektmitglied: „Auch die Aktivitäten des Bienenbündnis Osnabrück und auch der BUND Kreisgruppe Osnabrück sind ganz besonders positiv hervorzuheben. Es ist beeindruckend was hier getan und geschaffen wurde und wird. Wir stellen zudem einen Mentalitätswechsel in der Gesellschaft fest. Dieses Jahr haben wir diverse Angebote bekommen, explizit Rasen- oder Zierrasenflächen zu Wildblumenwiesen umzugestalten. Das freut uns sehr.“
Das Insektensterben wird maßgeblich durch die Folgen intensiver, konventioneller Landwirtschaft sowie durch eine nach wie vor ungebremste Flächenversiegelung hervorgerufen.

Polarisierungen vermeiden

Kai Behncke: „Aus gegebenem Anlass ist es wichtig innerhalb der Diskussion über das Artensterben nicht einzelne Landwirte als „Schuldige“ an den Pranger zu stellen. Viele Landwirte befinden sich aufgrund der Marktsituation unter einem unfassbaren ökonomischen Druck. Es ist wichtig dass wir als Gesellschaft ein anderes Verhältnis zu der Wertigkeit von Lebensmitteln entwickeln. Ökologisch produzierte Nahrungsmittel, die zudem eine Artenvielfalt begünstigen, sind nicht für Cent-Beträge zu erhalten. Als politische Gesellschaft und als einzelne Bürgerin und einzelner Bürger müssen wir bereit sein, auch höhere Preise zu bezahlen, um somit auch die Landwirte auf dem Weg zu ökologischeren Produktionsweisen finanziell zu unterstützen. Ein nötiger Wandel in der Landwirtschaft kann dann auch schon mal den eigenen Geldbeutel betreffen. Wir dürfen die Landwirtschaft bei der Bewältigung der Aufgaben nicht alleine lassen. Das Sterben der Kleinbauern und deren finanzielle Kapitulation stellt nicht nur menschliche Dramen dar sondern hat gleichfalls einen Einfluss auf das Artensterben, wenn z.B. keine Weidetiere mehr in der freien Natur gehalten werden. Viele Insekten profitieren beispielsweise von dem Dung landwirtschaftlicher Nutztiere.“

Karsten Wachsmuth: „Innerhalb der Diskussion über das Artensterben stößt uns sauer auf, dass häufig völlig unrealistische Forderungen an die Landwirte der Region gestellt werden. Politisch-Finanziell und auch durch ein geändertes Konsumverhalten ist es unserer Meinung nach wichtig, die Bauern auf dem Weg zu nachhaltigen Produktionsweisen ganz massiv zu fördern. Wenn wir Blühwiesen, Schutzstreifen und nachhaltig produzierte Lebensmittel ohne Einsatz von tötenden Pestiziden auf landwirtschaftlichen Flächen wollen, dann müssen wir auch bereit sein, die Landwirte entsprechend zu unterstützen, z.B. ganz konkret durch Akzeptanz höherer Produktpreise und ein geändertes Kaufverhalten oder durch finanzielle Entschädigungen. Das Artensterben können wir nur Hand-in-Hand meistern. Es reicht nicht aus nur nach Handlungen „der Politik“ zu schreien. Als mündige Bürgerinnen und Bürger können wir auch sehr viel selbst gestalten. Das eigene Tun ist maßgebend, alles andere wäre viel zu passiv.“

Kritik

Kai Behncke: „Gleichzeitig hätten wir uns vom Landkreis einen breiteren Schutzstreifen im FFH-Gebiet an der Meller Else bzw. „Oberen Hase“ gewünscht. Im Zuge des Volksbegehrens Artenvielfalt in Bayern wird dort beispielsweise nun ein Schutzstreifen von 5 Metern um natürliche Gewässer angelegt. Mindestens dieser Abstand wäre auch in unserem Landkreis zu begrüßen, gleichwohl 5 Meter insbesondere in einem FFH-Gebiet nicht besonders viel sind. Letztlich stellt eine solche Entscheidung neben einer politischen Motivation natürlich auch eine Entscheidung basierend auf wissenschaftlichen Fakten dar. Im Laufe dieses Jahres folgende Gewässeruntersuchungen werden insbesondere bei sommerlichen Starkregen zeigen, inwiefern ggf. Pestizide in den unbedingt zu schützenden Gewässerkreislauf gelangen.“

Das Projekt Blumiger Landkreis Osnabrück PLUS wird durch die Haarmann Stiftung Umwelt und Natur (Osnabrück), die Beatrice Nolte Stiftung für Natur und Umweltschutz (Lübeck), die Stiftung Stahlwerk Georgsmarienhütte und die Europa Möbel Umweltstiftung (Fahrenzhausen, Bayern) gefördert. Weitere Stiftungen entscheiden sich in Kürze.

Allgemein