Sehr sehr gut! Projekte mit der Landwirtschaft!

Als Querprojekte von “Blumiger Landkreis Osnabr├╝ck”
oder aber von “500 AKA – 500 Aktiv f├╝r Klima- und Artenschutz im Landkreis Osnabr├╝ck”
gibt es neue Verbindungen und erste Ideen f├╝r gemeinsame Projekte mit der Landwirtschaft.
Auch verschiedene ParteivertreterInnen aus unterschiedlichen Landkreis-Kommunen haben sich gemeldet und wollen Initiativen anschieben.
Klasse!

Absolut genial! Das Artensterben l├Ąsst sich (definitiv und zweifelsfrei) nur gemeinsam mit LandwirtInnen in den Griff bekommen.
Zudem wird es auch darum gehen, die positiven Leistungen von Landwirten einmal hervorzuheben (und das ist nicht ganz wenig!).

Landwirtschaft und Artenschutz?
Entgegen der bizarr-falschen und leider landl├Ąufigen Meinung in sozialen Netzwerken (“Die Landwirte sind schuld!”)
ist die Situation viel komplexer. Es ist keineswegs so einfach, wie es einige Menschen in einer gewissen, sagen wir mal, “geistigen Bequemlichkeit”
gerne darstellen. Neben dem Artensterben haben wir auch ein H├Âfesterben (siehe Grafik).

Anbei einmal einige kleine Stellungnahmen aus der Literatur (wohlgemerkt von ausgewiesen Natursch├╝tzerInnen und
├ľko-Freunden):

Busse (2019, S. 151 f.) analysiert v├Âllig richtig ÔÇ×Allein den Landwirten zuzurufen, ├Ąndert das mal mit dem Insektensterben, ist (.) zu einfach. (ÔÇŽ). Die Art und Weise, wie auf unseren Fl├Ąchen Landwirtschaft betrieben wird, ob insektenfreundlich oder eben nicht, liegt nicht allein in der Verantwortung der Landwirtinnen und Landwirte. Daf├╝r sind ebenso die Lebensmittelhersteller verantwortlich, der Handel, die Konsumenten und nat├╝rlich alle Verantwortlichen aus der Politik (ÔÇŽ). Damit d├╝rfte klar sein: So wie es keine einfachen Ursachen f├╝r das Verschwinden der Insekten gibt, so gibt es auch keine einzelnen Schuldigen. Sondern eine gemeinsame Verantwortung – und einen gro├čen Druck endlich zu handelnÔÇť.
Und weiter schreibt sie: ÔÇ×Solange die Landwirte unter dem Diktat niedriger und schwankender Weltmarktpreise wirtschaften m├╝ssen, k├Ânnen sie sich nur schwer daraus befreienÔÇť (ebda, S. 248).
Busse, T. (2019): Das Sterben der anderen. Wie wir die biologische Vielfalt noch retten k├Ânnen.

ÔÇ×Nicht die Bauern, insbesondere nicht die kleinen Familienbetriebe und schon gar nicht die ├ľkolandwirte, geh├Âren an den Pranger, sondern ein System, das starsinnig am natur- und menschenverachtenden Prinzip des ÔÇ×wachse oder weiche!ÔÇť festh├Ąlt und das Mantra der Alternativlosigkeit einer zutiefst umweltsch├Ądlichen Lebensweise predigtÔÇť (Segerer, Rosenkranz 2019, S. 121).
Segerer, A.; Rosenkranz E. (2018): Das gro├če Insektensterben. Was es bedeutet und was wir jetzt tun m├╝ssen

ÔÇ×Die verbleibenden Landwirte werden immer weiter in eine Sackgasse getrieben, aus der nur schwer zu entkommen ist. Sie m├╝ssen immer mehr D├╝nger und Spritzmittel einsetzen, um das gegenw├Ąrtig herrschende Preisdumping am Lebensmittelmarkt zu ├╝berstehenÔÇť (Grassberger 2020, S. 69)
Grassberger, M. (2020): Das leise Sterben. Warum wir eine landwirtschaftliche Revolution brauchen, um eine gesunde Zukunft zu haben.

ÔÇ×Sowohl die unglaubliche Verschwendung als auch die fehlende Wertsch├Ątzung von Lebensmitteln (ÔÇ×billigÔÇť gef├Ąhrdet Vielfalt) ist eine Missachtung b├Ąuerlicher Arbeit. (Segerer, Rosenkranz 2019, S. 167).

Und der gro├če Natursch├╝tzer Berthold schreibt (2017, S.107 ff.):
ÔÇ×An dieser Stelle m├Âchte ich noch ein Pl├Ądoyer f├╝r unsere Landwirte loswerden. Sosehr die heutige Landwirtschaft an erster Stelle f├╝r den Artenr├╝ckgang verantwortlich ist – es w├Ąre ungerecht, daf├╝r an erster Stelle oder gar allein die Landwirte zu beschuldigen. Landwirte – die wir nicht verwechseln d├╝rfen mit den agrarindustriellen Gro├čbetriebs-ÔÇ×BaronenÔÇť – sind schon fast eine geschrumpfte Randgruppe oder eine Art ÔÇ×niedere KasteÔÇť in der Bev├Âlkerung geworden, die, von verschiedenen Konzernen geknebelt, m├Âglichst immer billigere Lebensmittel produzieren sollen, damit der gro├če Rest der Gesellschaft so viel Geld wie m├Âglich f├╝r ÔÇ×wichtigereÔÇť Dinge als die Ern├Ąhrung ausgeben kann. Den l├Ąngst von (…) dem Gro├čteil der Bev├Âlkerung im Stich gelassenen Landwirten bleibt gar nichts anderes ├╝brig, als aus ihren Fl├Ąchen herauszupressen, was geht, wenn sie in der heutigen gnadenlosen Konsum- und Freizeitgesellschaft ├╝berleben wollen. Und selbst so bleiben noch jedes Jahr nach wie vor viele von ihnen auf der Strecke.
Die auf maximale Ausbeute ausgerichtete Raubbau-Landwirtschaft unserer Zeit, die die Artenvielfalt vernichtet, haben somit nicht unsere Landwirte, sondern in erster Linie Staat und Gesellschaft zu verantworten. (ÔÇŽ) Solange Lebensmittel f├╝r das Gros der Bev├Âlkerung dann am interessantesten sind, wenn man sie irgendwo zu Spottpreisen im Sonderangebot aus dem Regal nehmen kann, solange Bauern fast ohne Freizeit arbeiten und dabei m├Âglichst weder mit ihrem Vieh L├Ąrm und Gestank verbreiten noch mit ihren Maschinen den Stra├čenverkehr behindern sollten (ÔÇŽ) werden unsere Landwirte zwar die Hauptt├Ąter beim Artenvernichtungsfeldzug in unseren Feldfluren bleiben, aber eben beileibe nicht die eigentlichen Schuldigen.ÔÇť
Berthold, Peter (2017): Unsere V├Âgel. Warum wir sie brauchen und wie wir sie sch├╝tzen k├Ânnen.

ÔÇ×Alles, was Insekten helfen w├╝rde – Bl├╝hstreifen, Ackerbrachen, Hecken, Verzicht auf Pestizide, standortgerechte und vielf├Ąltige Frucht- und Sortenwahl, kostet Ertrag. Deshalb m├╝sste Naturschutz st├Ąrker belohnt werden, damit einhergehende Verluste kompensiert werdenÔÇť (2020, S. 255).
Settele, J. (2020): Die Triple-Krise: Artensterben, Klimawandel, Pandemien: Warum wir dringend handeln m├╝ssen

ÔÇ×In Deutschland hat seit 1990 ├╝ber die H├Ąlfte der Bauern aufgegeben. W├Ąhrend man im Jahr 2000 in Deutschland 450.000 H├Âfe z├Ąhlte, sind es mittlerweile weniger als 266.000ÔÇť (Grassberger 2020, S. 68).

Grassberger (2020) nimmt Bezug zu einem ÔÇ×TabuthemaÔÇť: ÔÇ×Befeuert durch das derzeitige System, nehmen Burn-out und psychische Erkrankungen bei Landwirten drastisch zu. (ÔÇŽ).
Hinzu kommen die steigenden b├╝rokratischen Anforderungen, erheblicher wirtschaftlicher Druck, sinkende Preise und fehlende Wertsch├Ątzung. Problematisch in diesem Zusammenhang ist auch der Umstand, dass Landwirte st├Ąndig als T├Ąter portraitiert werden, schuldig durch ihre landwirtschaftlichen Praktiken,
schuld durch die Verwendung chemischer Produkte. Schlussendlich sind auch sie in vielerlei Hinsicht Opfer eines perfiden Systems geworden, das sie im W├╝rgegriff h├Ąlt.ÔÇť (S. 72f.)

Auch da m├╝ssen wir ran. Als gesamte Gesellschaft!

Der Zeitplan ist Ultra-Straff in diesem Jahr und der Kalender ist “zum Bersten voll”.
Es sind jetzt schon kaum noch Termine frei (gut so!).
Etliche Ma├čnahmen (zumindest jene, bei denen wir dabei sind) werden dann sicherlich auch auf 2022 ausgelagert.
Bereits jetzt beginnen die Vorbereitungen, um die Projekte auch in 2023 und 2024 gestalten und Materialien finanzieren zu k├Ânnen.

Wenn wir alle mitanpacken – dann gestalten wir unsere Region zum Positiven. Und wir ALLE haben etwas davon!
 
Blumiger Landkreis Osnabr├╝ck
Artenvielfalt steigern, Insektensterben stoppen
http://blumiger-lkos.de
Bildquelle:
Anzahl der landwirtschaftlichen Betriebe und Bauernh├Âfe in Deutschland bis 2019 (in 1.000)
https://de.statista.com/statistik/daten/studie/36094/umfrage/landwirtschaft—anzahl-der-betriebe-in-deutschland/
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