Erfahrungen in der Anlage von Blühwiesen

Einen Projektbericht (mit diversen Erfahrungen) haben wir auch auf http://blumiges-melle.de verlinkt.
Verschiedene Erfahrungen haben wir zudem hier festgehalten:
http://blumiger-lkos.de/bluehwiesen-gestalten/

Planung und Bodenvorbereitung

Die Planung ist eigentlich recht simpel. Sofern dort noch nicht gemäht wurde, so müsste hochstehendes Gras zunächst einmal runter.
Nach unserer Erfahrung: Mit einer Sense schafft man ca. 1500 m² in 2 – 2,5 Stunden Stunden. Dazu kommt dann noch das Abharken (noch einmal etwa 1,5 Stunden). Sofern das alles in Handarbeit gemacht werden soll (anstrengend, macht aber auch viel Spaß).
Mit einem Balkenmäher schafft man das Mähen von 1500 m² in ca. 30 Minuten.

Fräsen
Fräsen

Wir haben auch schon einmal einen Bauern bezahlt: 3000 m² (glaub ich), Mähen und abtragen, Pflügen und Feingrubbern, nach der Ausaat anwalzen, da waren dann auch 960 Euro (brutto) weg.
Subjektiv: Selber machen macht mehr Spaß und ist auch noch schöne Bewegung an der frischen Luft. Außerdem ist es viel günstiger. Für 960 Euro (brutto)
kriegt man ja schon einen motorisierten Einachser.

Wir lassen mittlerweile nicht mehr pflügen (es gibt da wie immer unterschiedliche Meinungen zu), da die Bodenschichten zu sehr „durchmischt“ werden.
Wir grubbern in der Regel mit motorisierten Bodenfräsen, z.B. so etwas:

https://www.hagebau.de/p/guede-set-motoreinachser-gme-3-tlg-65-ps-an623997001/?itemId=B317120

Natürlich kann man die Maschinen auch leihen.
Nach unserer Erfahrung schafft man beim Fräsen ca. 500 m² in 1 Stunde (manchmal jedoch ist der Boden so dicht, dass man zwei oder sogar 3 mal überfräsen muss).

Saatgut

Naja, dann kommt das Saatgut. Regiozertifiziert ist natürlich optimal (aber, je nach Saatgut, sind in der Regel 2 gramm/m² notwendig. Für 5000 m² also zuweilen 10 Kilo. Ein Kilo kostet bei „High-quality-Regiozertifiziertem“-Saatgut in der Regel deutlich über 100 Euro (bei Rieger Hofmann).
Heißt: Für einen halben Hektar gibt man deutlich über 1000 Euro aus.

Gut sind aber auch „regional angelehnte“ Mischungen (und viel viel günstiger), wie z.B.
https://www.rieger-hofmann.de/sortiment/mischungen/mischungen-fuer-die-land-und-forstwirtschaft/23-bluehende-landschaft-mehrjaehrig.html

Empfohlen vom Netzwerk Blühende Landschaft und definitiv ein Insektenmagnet und eine Wohltat fürs Auge (aber halt nicht regiozertifiziert)
Allerdings gibt es da oft Diskussionen wegen „Kulturpflanzen“ oder Phacelia (Neophyten) etc. etc. Naja, man kann sich wochenlang mit diesem Thema beschäftigen oder auch nicht (irgendwie eine interessante aber zuweilen auch müßige Diskussion, welche manchmal auch lähmt und (manchmal leider) nichts produziert).
Unstrittig ist zumindest, dass Phacelia für einen gut gefüllten Magen bei vielen Insekten sorgt.

Gemeinsam Aussäen
Gemeinsam Aussäen

Die Aussaat: Häufig sind 1-2 gramm/m² empfohlen. Das kommt einem dann meist unglaublich wenig vor (nur ein Bruchteil des Handtellers, obwohl ein gramm oft nahezu 1000 Samenkörner enthält).
Man neigt dann schnell dazu „mehr“ einzusetzen (man meint es ja nur gut). Dieses führt dann jedoch schnell zu einem massiven Konkurrenzdruck auf einem m². Wenn es schlecht läuft, dann setzt sich dort
zunächst „nur“ Phacelia und Ackersenf durch (und verschiedene Leinsorten, Kornrade, vielleicht auch Borretsch, kommen nicht zur Geltung).
Gut ist es, wenn man das Saatgut mit Sand oder Füllschrot mischt. Dann ist die „Mischung“ besser und das Saatgut verteilt sich gleichmäßiger.

Sehr wichtig: Anwalzen, Anwalzen, Anwalzen
Auch haben wir gute Erfahrungen mit einem leichten Einharken gemacht (1-2 Zentimeter, Frostschutz).

Auf einigen Flächen haben wir testweise sogar einfach Saatgut ausgesträut und es dann „eingefräst“ (ein Kälteeinbruch stand bevor, zudem viele Tauben in der Nähe). Die Blühwiese war ein Volltreffer.
Herr Rieger hat in einem Gespräch aber dazu gesagt: „Da habt Ihr aber Glück gehabt“. Wird nicht zur Nachahmung empfohlen, weil viel feinkörniges Saatgut „zu tief“ im Boden landet. Gilt sogar als „Auf-keinen-Fall-machen-Procedere“ (vermutlich geht es auch oft völlig schief).

Pflege

Die Pflege: Wenn es eine Wildblumenwiese ist, welche sich mehrere Jahre artenreich „halten“ soll, dann ist eine zweimalige Mahd/Jahr zu empfehlen.
Einmal im Hochsommer (das fällt schwer, weil es ja gerade dann so toll blüht). Wichtig ist hierbei zunächst nur eine Hälfte zu mähen (sonst leiden die Insekten Hunger), und die zweite Hälfte etwa 3-4 Wochen später.
Und dann noch einmal im Herbst. Auch hier gibt es unterschiedliche Meinungen dazu. Herr Rieger z.B. empfiehlt, das nicht zu spät zu machen

https://www.rieger-hofmann.de/index.php?id=230

…da sonst das aussäende Saatgut nicht auf den Boden (sondern auf Pflanzenmaterial) fällt, gefressen wird oder verschimmelt. Wir haben hier auf unterschiedlichen Flächen unterschiedliche Zeitpunkte gewählt und sind jetzt sehr gespannt. Für uns war es aber eine „Faustregel“ zu warten, bis die Sonnenblumenkerne von den Vögeln gefressen werden. 10% der Stängel lassen wir generell als zukünftige Nisthilfen (zumeist scheinbar ja erst im zweiten Jahr) stehen.
Generell wichtig: Mahdgut möglichst nicht als Mulch liegen lassen sondern abtragen (extensivieren).

Wie immer im Naturschutz gibt es 1000 Modelle und bei (fast) jeder Aktivität, jemanden, der das Gegenteil empfiehlt, viel Gemecker, viel Blabla.
So ganz langsam entwickelt man da eine „Dann-erzähl-doch-mal-wie-es-bei-Dir-lief-Mentalität-weil-je-mehr-Input-desto-besser-Und-woher-hast-Du-denn-Deine-Meinung“, und oft stellt man dann fest, dass die jeweiligen Personen garkeine Erfahrungen gemacht haben. Das relativiert dann sehr. Auf
http://blumiger-lkos.de/bluehwiesen-gestalten/
haben wir versucht, zu filtern, also möglichst viele Meinungen von Menschen mit möglichst vielen Erfahrungen zusammenzutragen.

Mit obigem Verfahren des „Blühwiesen anlegens“ sind wir aber bislang ganz gut gefahren.
In „Blumiges Melle“ haben wir 38 Flächen so wie oben (oder ähnlich) bearbeitet.

Mohn
Mohn

Erkenntnisse: Wenn „zu wenig“ gefräst wird, dann ist die Artenvielfalt ärmer, weil viele „Nicht-Wildblumen“ als Konkurrenz bleiben.
Je mehr fräsen desto besser.
Und dennoch:
Auch das sauberste, perfekteste Saatbett (unsere 960 Euro-Fläche (siehe oben)) ist noch kein Erfolgsgarant. Die Fläche war jahrelang landwirtschaftlich überdüngt. Es wuchs dort nach Ausaat der Rieger-Hofmann-Mischung fast nur „Weißer Gäsefuß“ (siehe
http://www.umweltschutz-und-lebenshilfe.de/Zwischenbericht_wildbienenmonitoring.pdf, Fläche OD). Den Zeitpunkt des Schröpfschnittes hatten wir verpasst, weil auch viele Ringelblumen, Borretsch, Malven etc. dort wuchsen, und die Fläche in einer Monokultur-Mais-Gegend steht (da wollten wir das wenige Wildbienenfutter nicht kappen, hätten wir das mal besser gemacht, das war definitiv ein Fehler von uns).
Unsere Erkenntnis für dieses Jahr: Wenn ersichtlich ist, dass es zu einem massiven Gerangel zwischen ausgesäten Kulturpflanzen/Wildblumen und „Eutrophierungspflanzen“ kommt, sofort einen Schröpfschnitt durchführen. Andernfalls wird es nix mit der Wiese (oder halt erst im nächsten Jahr).

Unsere Erkenntis aber auch: Bei einigen Mischungen wird eine Aussaat schon im März empfohlen. Hatten wir gemacht (ausgesät und angewalzt), die ersten Keimlinge kamen. Dann kamen drei Tage Frost und auch im April wuchs: NICHTS, alles eingegangen. Aussaat umsonst, viel Geld verschwendet (und es war ein Vorgehen „nach Lehrbuch“).
Selber Zeitpunkt, eine andere Fläche: Ähnliches Saatgut hatten wir eingefräst (5-6 Zentimeter). Eigentlich ein absolutes No-Go! Die Fläche wurde aber ein Volltreffer, weil die Bodentiefe Frostschutz gewährte.

Auf jeder Fläche hatten wir Überraschungen. Will sagen: Trotz aller Lehrbücher, Expertenmeinungen etc., ein Überraschungsaspekt bleibt. Das macht ja auch den Reiz aus 🙂

Infoschild + Wutz
Infoschild + Wutz

Von 38 Flächen hatten wir 30 Flächen, wo es alles recht gut geklappt hat (aber Vorsicht vor einer zu hohen Saatgutmenge). Auf 6 Flächen gab es massiven Konkurrenzdruck mit Gräsern/Gänsefuß, Ampfer etc. (hier ist eine Extensivierung vermutlich der Schlüssel zum Erfolg).
Eine Fläche war zu nass (da wuchs kaum etwas) und ein Areal war durch Baumaschinen zu sehr verdichtet (der Boden wurde von uns vielleicht nicht oft genug gefräst).

Interessant wird es bei richtiger Pflege vor allem im zweiten Jahr (bei http://blumiges-melle.de also in dieser Saison 2018). Viel „hartschaliges“ Saatgut musste erstmal die Schale verlieren und blüht erst in den kommenden Wochen…

Wenn Du noch mehr Infos brauchst, dann frage gerne…

Viele Grüße, Kai