Intensive Diskussion zu Gewässerrandstreifen im Landkreis Osnabrück

Intensive Diskussion zu den Gewässerrandstreifen im Landkreis Osnabrück

Zusammenfassung des Gesprächs mit Herrn Niederniehaus (CDU, Mitglied im Umweltausschuss des Kreistages).

Zu der Gewässerrandstreifenthematik gab es gestern Abend (23.9.) ein längeres Telefonat.

Die äußere Form: Sehr angenehm, ein durchaus sympathischer Herr, ein sachliches, konstruktives Gespräch, in welchem verschiedene Details präzisiert wurden. Natürlich wurden auch Positionen kontrovers diskutiert, aber dennoch ein schönes Beispiel, wie ein Dialog zu einem sachlich komplexen und sehr emotionalem Thema stattfinden kann.
In den letzten 20 Jahren wurden vergleichbare Themen auch durchaus schon hitziger und wilder diskutiert.

Die Inhalte: Präzisiert wurde, dass es bei der Entscheidung der CDU/FDP-Fraktion des Umweltausschusses nicht um eine „Komplettbefreiung“ von Gewässerrandstreifen gegangen sei, es also in der Diskussion nicht darum ging innerhalb eines Abstandes von 5 Metern sowohl auf agrarwirtschaftliche Pflanzenschutzmittel, Düngemittel und Bodenbearbeitung zu verzichten, sondern sich die Entscheidung lediglich auf den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln bezogen habe.
Erläutert wurde auch, dass eine „Komplettbefreiung“ oder ein „Komplettverzicht“ (Bodenbearbeitung, Düngemittel, Pflanzenschutzmittel) eine „Neuauflegung“ des Verfahrens bedürfe, welche „auch schon einmal über ein Jahr dauern könne“.
Herr Niederniehaus erläuterte auch die Position, dass eine vorgeschriebene Verordnung bei Landwirten dazu führen könne, dass diese (Einzelne) eine Gegenhaltung einnehmen könnten und es zu einem (ggf. hohen) Akzeptanzverlust der Schutzmaßnahmen führen könne.

Herr Niederniehaus führte auch aus, dass der Verwaltung ein Auftrag gegeben wurde zu prüfen, inwiefern Flächen aufgekauft werden könnten (nicht nur an FFH-Gebieten),
um diese gänzlich einer landwirtschaftlichen Nutzung zu entziehen.

Weiterhin wurde über die Landwirtschaft „an sich“ gesprochen. Hier waren die Positionen gar nicht so weit auseinander. Auch wir stellen in unserem Projekt „Blumiger Landkreis Osnabrück“ in vielen Gesprächen mit Landwirten fest: Vielen Höfen geht es nicht besonders gut. Das „Höfesterben“ ist kein Zufall. Die „Allgemeinsituation“ für die Landwirtschaft ist alles andere als positiv. Eine regressive Preispolitik hin zu Dumpingpreisen und ein sehr hoher ökonomischer Druck sorgen vielfach für „schlaflose Nächte“. Verbraucher sind leider noch viel zu selten bereit das zu zahlen, was die Landwirte für ihre Produkte „verdienen“. Dass dann oftmals „so günstig wie möglich“ produziert wird ist (in (weiten) Teilen) auch wiederum nachvollziehbar.
Die Aussage von Herrn Niederniehaus, dass viele Landwirte im letzten Jahr schon Blühmischungen für Insekten (als ein Beispiel landwirtschaftlicher Tätigkeiten für den Artenschutz) eingesetzt haben, deckt sich auch mit unseren Erfahrungen aus dem „Blumiger Landkreis Projekt“. Zwar handelt es sich dabei vielfach um Mischungen aus dem örtlichen
Raiffeisenmarkt, welche dann nicht so artenreich sind, wie „maximal Biodiversitätsförderndes-regionales Wildblumensaatgut“, aber auch das ist schon sehr viel und soll an dieser Stelle auch nicht heruntergespielt werden. Landwirte werden vielfach z.B. in sozialen Netzwerken massiv angegangen, die positiven Handlungen werden gerne dabei vergessen. Auch das ist leider zu konstatieren. Von einer sachlichen Diskussion kann hier leider oftmals nicht gesprochen werden.

Die Lehre daraus und die Einordnung in einen größeren Kontext, Die Gewässerrandstreifen-Thematik ist ein unglaublich wichtiges (für den Artenschutz sogar herausragend (!) wichtiges)
Thema für eine biologische Vielfalt. Die Diskussion wird oftmals mit Vehemenz, lauten Tönen und einer intensiven Emotionalität (trotz aller sachlichen Fakten)
geführt. Das Gespräch hat gezeigt, dass nicht immer alle Fakten so klar und präsent auf dem Tisch liegen und z.B. in der Presse aufgrund der hohen Komplexität
auch nicht immer alle Details vermitteln werden können. Klares Fazit: Wer miteinander diskutiert, ist klar im Vorteil.

Klares Fazit auch (sagt der Kai zu sich selber): „Das nächste Mal holst Du Dir erstmal alle Details, bevor Du eine (emotionale) Stellungnahme veröffentlichst. Da war ja wohl in einzelnen „Maximalpositionen“ nicht ausschließlich glücklich. Du blöder Hitzkopf!“
„Ja“, antwortet Kai sich selber (in Teilen etwas zerknirscht). „Die Ankündigung das Blumiger Landkreis-Projekt zu nutzen, um vehement gegen den Irrsinn zu protestieren, kann dann wohl so an dieser Stelle nicht mehr aufrecht erhalten werden, war wohl nicht die glorreichste Idee des Jahrhunderts (Grummel Grummel Grummel…)“.
„Ok“, antwortet das Überich. „Du gibst es also zu!“. „Hmmmm….antwortet das Emotions-Bauch-Ich (sofort wieder hochkochend). „Grundsätzlich gebe ich erstmal gar nichts zu! Außerdem gibt es trotzdem gravierende inhaltliche Unterschiede in der Auffassung zu diesem Thema. Das lässt sich auch nicht wegdiskutieren“.

Die inhaltlichen Differenzen: Trotz des netten Gespräches, trotz des konstruktiven Austausches bleiben unterschiedliche Meinungen. Davon lebt eine Demokratie. Bei allem Verständnis für die geäußerte Meinung bleibt der Standpunkt aus Sicht des Insekten- und Artenschutzes dennoch klar.
Der Wunsch und auch die Forderung lautet nach Gewässerrandstreifen im Landkreis Osnabrück, welche mindestens eine Breite von 5 Metern (besser 7,5 oder sogar noch 10 Meter aufweisen), in welchen keine Pestizide und Düngemittel eingesetzt werden dürfen. Auch sollte hier (unserer Meinung nach) auf eine Bearbeitung in jedem Falle gänzlich verzichtet werden. Völlig klar ist dabei auch, dass Landwirte dafür entschädigt werden müssen. Eine Forderung nach Flächen ohne solide Ausgleichszahlungen ergibt keinen Sinn.

Die Aussagen des Blumiger Landkreis Osnabrück-Projektes in Bezug auf den 30.9. und die weitere Beschlussfassung des Kreistages:
„Wir hoffen sehr, dass sich die CDU-Fraktion im Kreistag Ihrer Verantwortung für den Artenschutz – und somit das Leben vieler bedrohter Arten – bewusst ist und sich schlussendlich für einen Randstreifen von 5 Metern ausspricht. Im Augenblick sterben eine Vielzahl von Lebewesen vor unseren Augen weil diese nicht mehr genügend Insekten finden. Anders formuliert: Sie verhungern qualvoll. Die Masse der Insekten reicht beispielsweise nicht einmal mehr für die Aufzucht von genügend Jungvögeln aus, um z.B. verschiedene Vogelarten zu stabilisieren. Ein breiter Gewässerrandstreifen ist unglaublich wichtig für eine biologische Vielfalt. Wichtig ist es gleichzeitig die Landwirte zu entschädigen. Diesen wird überdurchschnittlich viel abverlangt und sie sind oft zu Unrecht die Prügelknaben der Nation. Das Artensterben können wir nur gemeinsam mit den Landwirten in den Griff kriegen. Alles andere ist utopisch.“

Und:

„Wenn wir gemeinsam wollen, dann können wir im Landkreis mittelfristig Großes schaffen.
Insekten kennen keine administrativen Grenzen. Die Arbeit des BienenBündnis der Stadt Osnabrück ist sehr gut und auch die Leistungen im Landkreis für die Stabilisierung der Insektenpopulationen gehen in eine gute Richtung. Wenn wir es gemeinsam richtig anstellen, dann können wir Vorzeigestrukturen aufbauen, von denen alle profitieren, von der Sandbiene bis zum Menschen. Klima- und Artenschutz sind die großen Jahrhunderaufgaben der Menschheit und erfordern unserer aller höchstes Engagement. Da müssen wir gemeinsam Charakter, Mut, Intelligenz und Weitsicht beweisen.“

Blumiger Landkreis Osnabrück
Artenvielfalt steigern, Insektensterben stoppen
http://blumiger-lkos.de
https://www.betterplace.org/de/projects/71760-gnadenhof-brodel-melle-artenschutzprojekt-blumiger-landkreis-osnabruck