Regionales Saatgut ist nicht ganz günstig – aber dafür ausgesprochen wirksam

Gestern noch 200 m² Pollen- und Nektarwiese in Bissendorf angelegt (bei der Firma Runge). Dort wird ein Schwerpunkt für Bienen und Co. entstehen.
Ganz hervorragend ist: Die Firma Runge GmbH & Co. KG finanziert sehr viel Saatgut selber.
Regionales Saatgut ist nicht ganz günstig. 1 Kilogramm „Osnabrücker Mischung“ z.B. liegt bei etwa 130 Euro.
Anders formuliert: Ein Sack, wie auf dem Bild, liegt ohne Mengenrabatt bei 1300 Euro!!
Bedenkt man, dass man pro m² etwa 2 gramm Saatgut benötigt, so kosten 250 m² z.B. also etwa 65 Euro-Taler. Dafür ist das Saatgut aber auch optimal an die regionalen Bedingungen angepasst und produziert deutlich mehr Nektar- und Pollen als z.B. Blühmischungen aus dem Baumarkt.

Die wichtige Bedeutung von regionalem Saatgut

Regionales Saatgut ist wichtig, weil es den regionalen Genpool enthält und somit auch besser wächst, als „ortsfremde“ Pflanzen.
Grundsätzlich ist Deutschland in 22 Saatgut-Regionen aufgeteilt, siehe http://www.natur-im-vww.de/wp-content/uploads/2014/07/Regionen_GK-757×1024.jpg

Zwei sehr interessante Studien haben kürzlich untersucht, ob „regionales Saatgut“ tatsächlich „besser“ ist, als wenn man z.B. „beliebige“ Samen „aus dem Baumarkt“ kauft (vgl. dazu die Studien von Durka et al. 2016 sowie Bucharova et al. (2016)).
Zu beachten ist sogar: „Schafgarbe“ ist nicht gleich „Schafgarbe“ oder: Die „wilde Möhre“ in Norddeutschland besitzt einen etwas anderen Genpool als z.B. in Bayern.
Das Problem dabei ist, dass sich Saatgut im Ausland oftmals leichter produzieren lässt als in Deutschland, nur dann ist dieses
Saatgut eben nicht optimal an die hiesigen Bedingungen angepasst.
Glücklicherweise: Ab 2020 darf Deutschland für die Rekultivierung von Wiesen in der freien Landschaft nur noch regionales Saatgut einsetzen.

Borretsch
Borretsch

Untersuche in Feldversuchen

In aufwändigen Untersuchungen wurden die 7 häufigsten Wiesenpflanzen aus 8 der 22 Herkunftsgebiete (siehe oben) untersucht. Je nach Art wurden teilweise deutliche Gen-Unterschiede festgestellt. Interessant ist nun, ob diese eine Auswirkung auf die regionale Versorgung mit Pollen und Nektar haben. Ja, haben sie! Pflanzen regionaler Herkunft wachsen oftmals schneller. Regionale Gewächse liefern, laut der oben genannten Studien, im Schnitt 7 % mehr Biomasse und 10 % mehr Blütenstände als ortsfremde Pflanzen gleicher Art.
Festgestellt wurde auch, dass Pflanzen gleicher Art aus unterschiedlichen Regionen zu unterschiedlichen Zeiten blühen. Dieses kann im Zweifelsfalle negative Folgen haben.
Viele Bestäuber oder Blütenbewohner haben sich auf definierte Zeiträume eingelassen. Wenn diese „durcheinander gebracht“ werden kann das zu Problemen führen.

Quellen

Durka W., Michalski S.G., Berendzen K.W., Bossdorf O., Bucharova A., Hermann J.M., Hölzel N., Kollmann J. (2016): Genetic differentiation within multiple common grassland plants supports seed transfer zones for ecological restoration. Journal of Applied Ecology, DOI: 10.1111/1365-2664.12636

Bucharova A., Michalski S.G., Hermann J.M., Heveling K., Durka W., Hölzel N., Kollmann J., Bossdorf O. (2016): Genetic differentiation and regional adaptation among seed origins used for grassland restoration: lessons from a multispecies transplant experiment. Journal of Applied Ecology, DOI: 10.1111/1365-2664.12645