Rückfall in die umweltpolitische Steinzeit

Ein schwarzer Tag für die Artenvielfalt im Landkreis Osnabrück
 
Der minimale 1-Meter-Pestizid-„Schutz“-Streifen für das FFH-Gebiet im Artland (Landkreis Osnabrück) wurde heute von CDU/FDP/AFD/CDW beschlossen. Was für ein ökologisches Armutszeugnis!
 
Ok, das ist Demokratie und muss nun wohl so akzeptiert werden. Unsere Stellungnahme dazu:
 
Mit den Bildern drücken wir aus, dass heute ein schwarzer Tag für die Artenvielfalt im Landkreis Osnabrück ist.
Wenn selbst RegionalpolitikerInnen nicht bereit sind, unsere regionalen Naturschutzgebiete zu schützen, wer denn dann?
An vielen Gewässerrandstreifen wird nun der Tod Einzug halten (sinnbildlich und real). Pestizide lassen kein sinnvolles Leben von Wildpflanzen, Wildblumen und Insekten zu.
 
Aufgrund der Dürre im Sommer sind die Böden im Landkreis zum Teil dann ausgetrocknet und steinhart.
Die sommerlichen Starkregen (so etwas lernt man im 1. Semester Bodenkunde an der Uni Osnabrück) fördern dann eine massive Bodenerosion, mit gleichzeitiger
Ausschwemmung in Fließgewässer. Dann sind auch Amphibien und Fische fällig. So einfach ist das.
Insekten und damit viele weitere Arten werden auch an Gewässerrandstreife, wie von Euch entschieden, ein tristes Schattendasein fristen (sofern sie dort noch leben können).
Diese Entscheidung macht fassungslos, wütend und tieftraurig.“
Die Entscheidung wurde fernab aller wissenschaftlicher Erkenntnisse und allen Empfehlungen zum Trotz der WissenschaftlerInnen von Uni & Hochschule Osnabrück getroffen.
Umweltpolitische Steinzeit im Landkreis Osnabrück – das bringt es auf den Punkt.
CDU und FDP verhalten sich in hier gegenüber der Gesellschaft in höchstem Maße verantwortungslos. Unsere und Kindeskinder werden massiv von den Folgen des Artensterbens betroffen sein.
Gemäß Biodiversitätsrat der Vereinten Nationen befinden wir uns im größten Artensterben seit 66 Millionen Jahren. Eben jener Rat veröffentlichte im Mai dieses Jahres, dass schon jetzt die Geschwindigkeit, in der Tier- und Pflanzenarten aussterben, zwischen zehn- und hundertmal höher sei als im Durchschnitt der vergangenen zehn Millionen Jahre. Im globalen Bericht zur Lage der Artenvielfalt, den der Weltbiodiversitätsrat (IPBES) im Mai in Paris veröffentlichte, steht: „Der Verlust von Arten, Ökosystemen und genetischer Diversität ist bereits jetzt eine globale und generationenübergreifende Bedrohung für das Wohlergehen der Menschheit.“
Anders formuliert: Klimaerwärmung und Artensterben bedrohen die Fortexistenz der Menschheit auf diesem Planeten ganz massiv.
CDU und FDP haben sich unserer Meinung nach in Bezug auf ihre Natur- und Umweltschutzarbeit(gemeint ist: In Bezug auf den Randstreifen) ein offensichtliches Armutszeugnis ausgestellt. Die Schulnote 6 ist hier angemessen, eine Versetzung ist gänzlich ausgeschlossen.
 
Demokratie:
So funktioniert Demokratie nun einmal. Das müssen wir akzeptieren. Gleichzeitig drängt sich massiv der Eindruck auf, dass die CDU wenig Sinn darin sieht, als Volkspartei wahrgenommen zu werden.
Es entsteht hier der (subjektive) Eindruck, dass ein (mutmaßliches) Geschenk an den Agrarlobbyismus höher gewichtet wird, als eine wissenschaftlich sinnvolle, ökologisch-nachhaltige Entscheidung. Würden Insekten wählen können: Ihr wäret bei ca. 0,0 Prozent. Schade ist auch, dass es in einer „aufgeklärten“ Demokratie einigen Parteien leider nicht möglich zu sein scheint, die Gesamtheit wissenschaftlicher Stellungnahmen zu berücksichtigen. Anders formuliert: Ein ganz ganz schlechtes Beispiel für eine Demokratie!!
 
Die Landwirte:
In der öffentlichen Diskussion, in sozialen Netzwerken, wird nun wieder massiv auf „die Landwirten“ eingedroschen. Das ist falsch! Es gibt viele Landwirte, welche sich auf unterschiedlichen Ebenen für eine höhere Artenvielfalt starkmachen. Sie legen „Lärchenfenster“ an, sorgen für bessere Rahmenbedingungen von Kiebitzen, schaffen (z.T. mit privatem Geld) Blühstreifen und und und.
Zu sagen: „DIE BÖSEN Landwirte!“ wäre absurd.
Und doch gibt es einige Betonköpfe mit massivem Einfluss. Den Pestizid-und Agrarlobbyismus, auch unter einigen Landwirten im Landkreis,
der sich einen ziemlichen Scheißdreck um die Artenvielfalt schert.
Ein kleiner Teil und ein Extrem. Mit massivem Gewicht, so scheint es.
 
CDU:
Auch hier gibt es viele nette, wissenschaftsnahe, sympathische und dem Naturschutz aufgeschlossene Menschen. Ohne jede Frage: Es gibt Menschen, welche das Artensterben und der Naturschutz umtreibt. Die Tatsache, dass hier großer Mist gebaut wurde, bedeutet nicht dass IMMER Mist gebaut wird.
Dennoch ist die Botschaft klar: Wenn WIR es wollen, wenn die Lobby es fordert (mutmaßlich ??), dann bauen wir auch großen Mist (und das ist uns noch nicht einmal peinlich), dann ist uns alles egal. Dann rasen wir wie ein „Roboter im Porzellanladen“ wild durch die Natur, wie es Donald Trump nicht besser könnte.
Das größte Artensterben seit 66 Millionen Jahren, wissenschaftlich nachgewiesen, ist doch erstmal zweitrangig. Da können sich doch unsere Nachkommen drum kümmern (Ironie off).
 
Wir:
Einen politischen Schaden werden wir durch unsere zuletzt geäußerte Kritik/en davon tragen. Das ist so! Entscheidend ist ausschließlich der morgendliche Blick in den Spiegel!
Es gibt etwas, was DEUTLICH wichtiger ist, als Geld! Nachhaltigkeit, Charakter, Ökologisches Zukunftsbewusstsein, Verantwortung, wissenschaftliche Bezugnahme auf empirisch ermittelte Fakten, Verantwortung gegenüber vielen Lebewesen, und das Wissen, dass wir Menschen eben nicht die Krönung der Schöpfung sind.
Wir Menschen sind es, welche den Planeten zielsicher dahin gebracht haben, wo er sich aktuell befindet. Aber einige (nicht alle) von Euch werden das vermutlich nicht so ganz nachvollziehen können.
Ob der heute getroffenen Entscheidung: Schämt Euch!!!
 
Blumiger Landkreis Osnabrück
Artenvielfalt steigern, Insektensterben stoppen
http://blumiger-lkos.de
https://www.betterplace.org/de/projects/71760-gnadenhof-brodel-melle-artenschutzprojekt-blumiger-landkreis-osnabruck