Der Start der Anlage eines wichtigen Insektenbiotops in Hasbergen lief noch sehr gut. Nette Leute, eine schöne Fläche. Munter gefräst (ok, an nem Sonntag, aber -ganz im Ernst- es gibt tatsächlich die Regel auf dem Land: Wenn etwas der Landwirtschaft dienlich ist, dann darf auch Sonntag gearbeitet werden (kein Witz, sogar juristisch verankert)).
Gesagt getan, die Fräse ratterte vor sich hin und die Fläche wurde größer und größer.

Plötzlich erschien aus der umgebenden Nachbarschaft ein Aktivbürger auf der Bildfläche.
Nennen wir ihn „Otti Oberlippenbart“. Otti war „not amused“ über den Lärm und den Krach und das ganze solle doch bitte unterlassen werden.

Hmm….., ich noch schwer am überlegen: „Ok, will auch keinen Ärger, kann ihn ja auch irgendwie verstehen. Aber das Projekt muss auch weitergehen. Der Zeitplan ist mega knapp und eine Strecke mit nem 40-Kmh-Quad von Melle nach Hasbergen ist eine Ewigkeit.
Und bin ich nicht „im Recht“? Andererseits, vielleicht besser mal dem Ärger aus dem Weg gehen.
Zur Not wird es halt an einem anderen Tag weitergeführt. Zumindest möchte ich ihm aber Sinn und Zweck des Ganzen erläutern (schon für meinen Stolz). Und dann lasse ich es gut sein und packe zusammen (so meine Entscheidung zunächst).

Ich hole also tief Luft und sage: „Ok, das Problem ist….“. „Es gibt kein Problem!!!!!!“, unterbricht er schroff und funkelt mich aus kleinen Schweinsaugen bitterböse an.

Hotte Hitzkopf

Oh Oh, das war strategisch nicht so gut. Ist so ne Sache bei mir. Ich muss nicht zwingend was durchziehen, aber zumindest möchte ich sagen, was ich zu sagen habe und fordere wenigsten einen sauberen Dialog (ausreden lassen).
Ja, und dann gibt es noch tief im Inneren zwei Partner, die ab und an mitquatschen wollen:
Hotte Hitzkopf und Koko Choleriker. Vorsichtshalber rufe ich die beiden mal an. Beide räkeln und strecken sich und erwachen aus ihrem wohlverdientem Mittagsschlaf.
„Is watt, Chef?“, fragt Hotte. Ich so: „Weiß noch nicht, könnte hier Theater geben.“
Neugierig nehmen die beiden den Fahrstuhl, um dann in meiner Stirnhöhle auszusteigen. „Wieder Stress oder watt?“, fragt Koko.
„Abwarten!“, antworte ich.

Gegenüber Otti sage ich bockig: „Ok, wenn es kein Problem gibt, dann fräse ich weiter“.

Otti kuckt mich ungläubig an und ist noch weniger amused als zuvor.
Hotte Hitzkopf und Koko Choleriker funken wie wild mit ihren Walke-Talkies: „Blutdruck steigen lassen! Herzschlag erhöhen! Der Boss wird sauer!“.

Naja, ich fräse also weiter, und denke mir so: „Watt soll das? Mach mich doch hier nicht so doof von der Seite an!“, bleibe aber äußerlich ruhig.
Hotte und Koko ordern Brennholz in Massen.
Die Kühlung funktioniert heute so la la.
Nach 10 Minuten habe ich die Sache vergessen und schaue nur ab und zu mal missmutig in der Gegend herum.
Kurze Zeit später taucht Otti Oberlippenbart wieder auf. „Du befindest Dich auf meinem Grund und Boden. Ich möchte das nicht, Will auch keine Blühwiese hier“.

Von der Flächeneigentümerin hatte ich zuvor gezeigt bekommen, wo genau die Grenze verläuft.
Ich also (noch relativ ruhig):
„Da habe ich andere Informationen. Dein Grundstück liegt 30 Meter weiter. Ich möchte das jetzt gerne hier weitermachen. Ist ein wichtiges Artenschutzprojekt“. Hotte und Koko schieben alle Schalter auf „volle Pulle“. Otti antwortet: „Ich kann Dir die Katasterpläne zeigen. Sofort aufhören!“.
Ich denke mir so: „Seh ich aus wie das Katasteramt? Wird langsam nervig.“
Antworte nochmal: „Nein, so weit ich gehört habe, liegt Deine Fläche 30 Meter weiter in der Richtung xyz.“
Otti darauf hin: „Ich bin Jäger und Landwirt. Ich weiß was Du hier machst“.
Ok, denke ich, das ist doch prima. Wegen mir biste halt Jäger und Landwirt, geht mich nix an.
Wieso man freiwillig mit ner Knarre auf Tiere ballert ist mir ein Rätsel, aber musst Du selber wissen. Ansonsten machen Jäger
in Natur- und Artenschutz auf jeden Fall gute Dinge. Der Typ soll mich trotzdem nicht vollquatschen. Das Projekt ist Aufgabe genug und ich möchte hier weiterkommen. Nach 4 Wochen „Vollgas“ bin ich langsam auch mürbe.

Die Antwort: „Na also. Wenn Du Landwirt bist, dann weißte ja Bescheid. Auch am Sonntag kann man Krach machen, wenn es der Landwirtschaft dient.“
„Blühwiesen dienen nicht der Landwirtschaft. Aufhören!“. Wieder die völlig falsche Antwort. Mal in Ernst: Wie blöd kann man sein?
Hotte Hitzkopf und Koko Choleriker übernehmen nun die Fernbedienung:
„Chef, tritt mal zurück. Wir regeln das jetzt hier!“ Ok, macht mal. Vermutlich wirds wieder die Konfliktlösung eines 5jährigen. Das machen die beiden gerne. Naja, ich kanns nicht ändern.
Hotte funkt an meine Gesichtsmimik, die plötzlich die Grimasse eines sturköpfigen Superhitzkopfes erschafft (kenne ich schon).

Die beiden raunzen Otti an: „So einen Schwachsinn habe ich noch nie gehört. Jetzt geh mir nicht auf den Geist. Ich mache jetzt hier weiter!“ (die Stimme wird merklich lauter).
„Ganz dünnes Eis, ganz dünnes Eis“, seine Antwort. Hotte und Koko wird es jetzt zu bunt. „Unser Boss reißt sich hier den Hintern auf, um watt gegen das Insektensterben zu unternehmen also halt Deine Klappe jetzt!“

Das (vorläufige) Ende vom Lied: Wildes gegenseitiges Krakehle, eine nun aber defintiv gestörte Sonntagsruhe und am Ende zwei komplett verärgerte Streithähne (und keine Gewinner).
Nur Hotte Hitzkopf und Koko Choleriker hatten ihren Spaß. Naja, „Schwamm drüber“, bin nicht nachtragend, Otti hoffentlich auch nicht, ist nicht das erste Mal in nem Naturschutzprojekt, dass es mächtig Zoff gibt.

Hatte ich vor nem Jahr schon mal: https://www.noz.de/lokales/melle/artikel/862557/absurder-streit-um-bluehwiese-in-melle#gallery&0&0&862557

Und unser Feuchtbiotop-Projekt am Kreimerhof in Melle hat auch eine durchgeknallte Aktivbürgerin auf den Plan gerufen, die dort für Stunk sorgt:
„Zu dies, zu das! Naturschutz gerne, aber doch nicht in meinem Umfeld bitte!“
Ich bin kein Diplomat. Und Hotte Hitzkopf antwortet dann gerne auch mal was nicht so nettes (ich habe ihm 1000mal gesagt, es soll das lassen!), aber er hört einfach nicht….:-)

Ende gut, alles gut 🙂

Um des Friedens willen fräse ich in Hasbergen sturköpfig zunächst noch eine halbe Stunden weiter um dann, trotz einer unfertigen Fläche, das ganze sein zu lassen (zunächst). Lauter Grasinseln in einem entstehenden Insektenbiotop, Käse!

Hotte und Koko: „Chef, alles klar? Wieso hörst Du auf?“, „Mann, kein Bock auf den Stress. Andererseits kann es nicht sein, dass der Typ hier das Projekt blockiert. Offen gesagt bringt das Gekeife doch niemanden weiter!“ Hotte und Koko schauen sich irritiert an.
„Und überhaupt, man liest ja so viel in der Zeitung. Vielleicht kommt der gleich mit seiner Knarre raus und ballert wild um sich. Oder die Cops kommen und ich liege mit Kabelbindern fixiert hier im Staub der Blühwiese. Ist doch Käse alles!“

Hotte zu Koko: „Unser Boss wird alt. Seit wann lässt Du Dich herumkommandieren? Damals in Gorleben warste anders drauf! Willste hier den Friedensnobelpreis gewinnen oder watt?“

Das Finale: Nochmal mit der Flächeneigentümerin geredet und letztlich dann doch alles gefräst, ausgesät und angewalzt. Perfekt! Einfach mal klare Kante zeigen! HAH, NA BITTE!! 🙂
Nerviges Theater, aber gehört zum Naturschutz dazu. Man kann es nicht allen recht machen, alles eine Frage der Prioriäten.

Auf dem Nachhauseweg auf dem „Blauen Brummer“ überlege ich, wie ich eine solche Situation das nächste Mal angehe.
Nach längerem Zwiegespräch und der Inerwägungnahme mal Autogenes Training, Yoga oder zumindest einen Atemkurs zu belegen entscheide ich:
„Hotte, Koko! Watt solls! DAS MACHEN WIR NÄCHSTES MAL WIEDER GANZ GENAU SO!“ 🙂
In diesem Sinne….





















P.S.
„Blumiger Landkreis Osnabrück“ ist aktuell um mehrere Tausend Euro unterfinanziert.
Heißt: Wir müssen das am Ende aus der Privattasche bezahlen (sorgt z.Zt. auch nicht so recht für gute Laune).

In diesem Sinne: Kauft gerne unser einpflanzbares Kinderbuch.
http://das-einpflanzbuch.de

Hier die erste Rezension aus der Neuen Osnabrücker Zeitung:
https://www.noz.de/lokales/melle/artikel/1200419/meller-kai-behncke-schreibt-kinderbuch-aus-dem-echte-blumen-wachsen

Und hier ein kleiner Film dazu:
https://www.youtube.com/watch?v=mMlH_-hpaWo

„Blumiger Landkreis Osnabrück“
Artenvielfalt steigern, Insektensterben stoppen [zur Not auch mit ausgefahrenen Ellenbogen]
http://blumiger-lkos.de

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